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3. Aug 2018

feder

Kew Garden

Ich wollte schon lange mal Kew Garden anschauen – aber bisher war entweder keine Zeit oder kein passendes Wetter oder nicht die passende Jahreszeit. Jetzt war ja aber Sommer, also haben wir dieses Wunschziel gleich am ersten richtigen Londontag in Angriff genommen. Wir haben uns dabei ein bisschen von Hitze und Sonne in die Irre führen lassen – so warm war es nämlich gar nicht, wir fröstelten unterwegs tatsächlich etwas.

Kew Gardens – eigentlich Royal Botanic Gardens, Kew – gehört zu den ältesten botanische Gärten der Welt, auch zu den größten und bekanntesten. Ihre Geschichte geht zurück bis ins 17. Jahrhundert, wo sie zunächst als exotische Gärten und als Lustgärten dienten. Sie wurden von Prinzessin Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg, der Witwe Friedrich Ludwigs, des Prinzen von Wales, deutlich erweitert, ab 1759 dienten sie zum ersten Mal auch als botanischer Garten. Von Kew Garden wurden viele botanische Expeditionen veranlasst, die seltene Pflanzen nach Europa brachten. Unter soll auch unsere Pillnitzer Kamelie aus Kew Garden stammen, damals eine von vier Pflanzen, die überhaupt nach Europa kamen. Im 18. Und 20. Jahrhundert wurden die Gärten erweitert; seit 2003 sind sie Teil des UNESCO Weltkulturerbes.



Wir waren recht früh, es strömten aber schon ziemlich viele Menschen zu den Gärten. Das hat sich aber recht schnell auf dem großen Gelände verteilt. Wir standen dem auch etwas ratlos gegenüber, haben uns dann aber entschieden, erst mal den Baumwipfelpfad zu erklimmen.



Das geht ziemlich weit hoch und bietet eine schöne Aussicht. Angesichts der Lochplatten der Treppen und Plattformen sollte man aber besser schwindelfrei sein. ;)

Wir haben uns natürlich auch die beiden großen viktorianischen Gewächshäuser angeschaut – Palm House und Temperate House – die einerseits faszinierende Bauwerke sind, andererseits auch eine exotische Fülle von Pflanzen bieten.



Es war da drinnen freilich auch sehr warm und feucht-warm, das wir es nicht ganz so lange drin ausgehalten haben.



Aber hübsch.

Neueren Datums ist das Princess of Wales Conservatory, das 1987 von Prinzessin Diana eröffnet wurde. Den Namen trägt es jedoch in Gedenken an eine andere Princess of Wales, die schon erwähnte Gartenbegründerin Prinzessin Augusta.

Wir sind allerdings nicht von Gewächshaus zu Gewächshaus geeilt. Wir haben schon ordentlich was vom Außengelände abgelaufen, das in alle Richtungen hübsche Ausblicke bietet. Es ist ein riesiger Landschaftsgarten mit See und Mammutbaumallee und Rhododendrongarten, mit Lilienteich, japanischem Garten, Steingarten. Und vieles mehr, was man vermutlich deutlich strukturierter angehen muss als wir. ;) Wir haben jedenfalls ziemlich lange gebraucht, Queen Charlottes Cottage zu finden.



Einfacher zu finden war die chinesische Pagode, die 1762 errichtet und eben wieder frisch saniert eröffnet wurde. Die Ziegelstein-Pagode ist knapp 50 Meter hoch und mit unzähligen Drachen geschmückt.



Vermutlich zum Anlass der Wiedereröffnung (zwei oder drei Tage nachdem wie da waren), hatten sie im Garten auch eine Drachenausstellung. Kinder konnten Drachen malen, die ausgestellt wurden. Und fünf oder sechs Drachenfiguren nach künstlerischen Entwürfen waren auf dem Gelände verteilt. Konnte man ein lustiges Suchspiel draus machen. ;)

Ebenfalls asiatisch ist das Tor des kaiserlichen Gesandte, ein verkleinerter Nachbau eines Tempels/Palastes in Kyoto. Es wurde 1910 für die japanisch-britische Ausstellung in London gebaut und danach abmontiert und im botanischen Garten wieder aufgestellt.



Das ist alles handgeschnitzt, zeigt Blumen und Tiere und eine chinesische Legende. Wir haben die Qilins (chinesische Einhörner) erkannt. ;) Ringsum gibt es auch noch einen hübschen japanischen Steingarten, den wir allerdings nicht sooo intensiv angeguckt haben.

Passend zum Thema Fabelwesen: Vor dem Palm House stehen „the Queen‘s Beasts“ – zehn Statuen von Wappentieren der Königin, die ursprünglich für ihre Krönung 1953 geschaffen wurden. Die Figuren jetzt sind aber neuere Nachbildungen.



Die zehn Wappentiere sind: der Löwe von England, der Greif des Königs Eduard III., der Falke des Haus Plantagenet, der schwarze Bulle von Clarence, der weiße Löwe von Mortimer, das Yale von Beaufort, der weiße Greyhound von Richmond, der rote Drache von Wales, das Einhorn von Schottland und das weiße Pferd von Hannover. Wir lernen, das Yale ist ein goldgetupftes ziegenartiges Fabelwesen, das seine Hörner in alle Richtungen drehen kann, und für das es keine eigene deutsche Bezeichnung gibt.

Königlich geht es weiter mit Kew Palace:



Das Haus wurde vor allem von König George III. und seiner Familie genutzt. In den Jahren seiner Krankheit hat George viel Zeit in der Abgeschiedenheit von Kew Palace verbracht.



Das Gebäude macht gar nicht mal so einen palastähnlichen Eindruck. Es ist aber hübsch restauriert und ausgestattet, so dass man einen Einblick in das Leben von George und seiner Familie gewinnen kann. Es war eine große Familie, George und Charlotte hatten viele Kinder, auch darüber erfährt man im Palast ein bisschen. Hat uns sehr gut gefallen, auch das vor und im Gebäude gewandete Leute herumliefen und Fragen beantworteten. :)

Nach all der Geschichte gab es noch moderne Kunst:



Was da so aussieht wie eine metallene Wolke ist „The Hive“, ein Kunstwerk, das auf vielfältige sensorische Weise mit dem Leben der Bienen vertraut machen soll. Es erinnert an einen Schwarm Bienen, es summt und vibriert und erzeugt Farben, die auf die Bewegungen der Bienen in den benachbarten Bienenstöcken abgestimmt sind. Das war modern, aber weniger seltsam als erwartet. ;)

Es hätte in Kew Gardens sicher noch viel mehr zum Anschauen gegeben. Auch der Ortsteil um den Garten ringsum macht einen charmanten viktorianischen Eindruck. Für uns hat das aber erst mal gereicht. Wir sind in die Stadt zurückgefahren, haben uns ein bisschen ausgeruht, was gegessen (im Weatherspoons „The Angel“ hatte ich Hühnchen) – und dann haben wir uns einen Swing-Kurs angeguckt, der um die Ecke angeboten wurde. Es waren überraschend viele Leute (ausnahmsweise mal Follower-Mangel). Wir haben einen Crash-Kurs Charleston bekommen, was viel Spaß gemacht hat, in der Hitze der Stadt aber auch sehr anstrengend war. Aber Charleston in London!

Stimmung:
erschöpft
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2. Aug 2018

feder

London

Unser Flug von der Isle of Man nach London ging am frühen Vormittag, das war recht entspannt, um in der großen Stadt anzukommen. Nach der Insel war das allerdings auch erst mal ein Kulturschock: so viele Leute! Und solche Hitze! In der Stadt zwischen all dem Beton ist das ja noch mal anstrengender als in der Natur, wo doch mal ein Lüftchen weht…

Wir haben in London im Travellodge King’s Cross gewohnt – das war auch ein bisschen Kulturschock nach unserem geradezu luxuriösen B&B, aber im Grunde keine schlechte Unterkunft. Es ist zwar eng und ohne Klimaanlage, aber es ist zentral und praktisch. Ohnehin war der Weg mit dem Koffer der anstrengendste, alles andere ging dann doch ganz gut.

Wir waren ein bisschen in der Stadt unterwegs. Bei Foyles Bücher gucken, wie sich das gehört. Was essen (Fish & Chips) und am Abend dann ein obskures Musical angucken, was Silph hier sehr ausführlich beschrieben hat. Knights of the Rose. Ich bin vermutlich weniger anspruchsvoll, was Musical und Theater angeht, ich hab mich gut unterhalten – auch wenn manches vielleicht eher unfreiwillig komisch war. Die Musik war gut, die Schauspieler auch – nur die Klimaanlage im Theater war zu kalt. Draußen war Sommerhitze und wir wurden da schockgefrostet…

Stimmung:
Theater
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31. Jul 2018

feder

Manx Museum

Der Sonntag war unser letzter Tag auf der Isle of Man. Viel hatten wir da nicht mehr vor; wir sind nur noch mal nach Douglas gefahren, um noch das Manx Museum anzuschauen.

Vorher sind wir noch mal in der näheren Umgebung herumgekurvt, um das Wasserreservoir oberhalb des Ortes anzugucken. Ein gar nicht mal so kleines Gewässer mit hübschem Wald ringsum:



Da kann man bestimmt auch nett wandern gehen. Wir wollten nur gucken. Man sieht auch hier, dass es ziemlich lange, ziemlich heiß auf der Insel war, ich nehme an, sonst ist der Wasserstand deutlich höher.

Auf dem Weg nach Douglas rein haben wir noch mal an der Old Kirk Braddan angehalten, deren Friedhof wir schon mal bewundert haben. Jetzt war auch das Kirchlein selbst offen. Wir konnten uns das Bauwerk anschauen und auch die keltischen Kreuze, die im Innenraum stehen. Sie haben immerhin 12 Kreuze, die teils keltischen, teils skandinavischen Ursprungs sind, einige haben Runeninschriften.



Dann das Manx Museum in Douglas. Das ist ein hübscher Jugendstilbau von 1922, in dem viele spannende und wissenswerte Sachen zusammengetragen wurden.



Zur Einführung gab es erst mal einen Film. Sie empfehlen den auch als Einstieg für die Insel – für uns an unserem letzten Tag war es aber auch eine schöne Zusammenfassung. Konnten wir Dinge, die wir schon gesehen haben, wiedererkennen und uns freuen.

Im Weiteren gab es Ausstellungen zur Natur der Insel, zu Geologie, Flora und Fauna. Ausführliche Ausstellungen gab es auch zur Geschichte, beginnend bei den ersten steinzeitlichen Besiedlungen, weiter mit den Wikingern und ihrem Einfluss (Tynwald!) und schließlich die neuere Geschichte mit Landwirtschaft, Fischfang und Bergbau, dem Weltkrieg mit seinen Internierungslagern, TT-Geschichte und touristische Blütezeit im 19. und 20. Jahrhundert.



Das war alles sehr anschaulich aufbereitet und informativ. Die Nationalgalerie der Isle of Man haben wir uns eher flüchtig angeschaut – da gab es aber auch eher akustische Unterhaltung. Ein junger Mann vom Personal, den wir eigentlich in Grove House in Ramsay gesehen hatten, nutzte die Nationalgalerie, um zur Gitarre selbstgeschriebene Lieder vorzutragen. Das macht er wohl immer mal am Sonntag, ich weiß nicht, ob er dazu im Dienst ist oder nicht. Es war jedenfalls nett und unterhaltsam. So viel Musikalität und Bühnentauglichkeit hätte ich ihm gar nicht zugetraut. ;)

Das Manx Museum sollte man durchaus besuchen, wenn man auf der Insel ist – zumal es keinen Eintritt kostet. :)

Mit dem Museumsbesuch und etwas Bummelei haben wir den haben Tag gut verbracht, bis es Zeit war für unseren bestellten Afternoon Tea. Wir haben uns das ganz klassisch englisch vorgestellt und bis auf die Etagere war es das auch. Es gab reichlich Sandwiches, klassisch mit Eiersalat, mit Frischkäse und Gurke, mit Coronation Chicken und … noch eine Sorte? Thunfisch? Dann Scones mit Clotted Cream und Marmelade und dann noch drei oder vier Sorten Kuchen. Das war sehr reichlich und sehr lecker. Wir haben uns da in Ruhe durchgefuttert und haben danach nicht mal mehr ein Abendessen gebraucht. ;)

Einen Steinkreis gab es aber noch. ;) Wobei das auch wieder Ruinen verschiedener Bauwerke waren und nicht wirklich ein Kreis:



Balladoole Historic Monument Site. Hier gibt es einerseits eine Schiffsbegräbnisstätte der Wikinger aus dem 10. Jahrhundert, dann ein Keeill aus dem 9./10. Jahrhundert (man erinnere sich: Keeill ist eine frühchristliche Kapelle) und eine bronzezeitliche Grabanlage etwa vom 1000 vor Chr. Viel zu sehen (oder auch nicht zu sehen) und das auch noch mit schöner Aussicht auf die Küste.



Das ist die südliche Ecke der Insel bei Castletown, wieder an winzigen Sträßlein, bei denen man hofft, keinem Gegenverkehr zu begegnen. ;) Sehr hübsch aber, der kleine Umweg hat sich noch mal gelohnt.

Und damit war dann auch die Zeit auf der Insel für uns schon fast abgelaufen, am nächsten Morgen ging unser Flug nach London. Am Morgen klärte sich dann auch, warum ich im Quartier immer niesen musste. Das lag mitnichten an Sommerschnupfen oder Klimaanlagenwechselgefühlen: Tiger, die schwarze Katze des B&Bs kam übers gekippte Fenster und das Kopfkissen (!) in unser Zimmer. Hatschi!

Die Isle of Man ist ein wirklich lohnendes Reiseziel, das trotz überschaubarer Größe viel Abwechslung und viele Sehenswürdigkeiten bietet. Viel Historisches, das ist ja nach unserem Geschmack, man hätte die Woche sicherlich auch allein mit der Suche nach alten Steinen füllen können. ;) Auch unser Quartier würde ich uneingeschränkt empfehlen, gegebenenfalls müsste man sich halt mit den Katzenhaaren arrangieren. ;)

Stimmung:
weiterziehen
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30. Jul 2018

feder

Wandertag

Wir hatten die Sehenswürdigkeiten, die uns interessierten, inzwischen alle angeschaut, da blieb noch Zeit für ein bisschen Kür.

Begonnen haben wir den Tag mit einer Wanderung im Dhoon Glen, einem Tal im Osten der Insel, das zum Meer hinabführt. Es geht ziemlich steil abwärts, immer am Wasser entlang. Wunderbare Bäume säumen den Weg, so dass man sich schon ein bisschen wie im Märchenwald fühlen kann. Bäume, Wasser, Wasserfälle.



Aufgrund der anhaltenden Hochsommertemperaturen war das Wasser vermutlich etwas spärlicher als sonst – aber es reichte noch für Wasserfälle.



Zum Meer hin öffnet sich das Dhoon Glen in eine sehr malerische Bucht. Schieferberge umrahmen den Kiesstrand, da kann man Geologie ganz anschaulich studieren.



Der Blick geht Richtung England, aber Manannan hatte wieder seinen Mantel über die Insel gebreitet und den Fernblick verhüllt. Wir konnten sogar den Saum seines Wolkenmantels sehen, der dramatisch in den Klippen hing.



Wir sind auf der anderen Seite der Bucht wieder hinaufgestiegen – im Sonnenschein – mit Blick auf die anbrandenden Wolken. Sehr malerisch. :)

In der Sonne war der Aufstieg dann zwar anstrengend, trotzdem war die Strecke weniger steil, also vermutlich die bessere Wahl, als im Tal selbst wieder hochzuklettern. Insgesamt war es wohl eine Strecke von 5 Meilen, ein gemütlicher Spaziergang und ein wirklich schönes Tal. Märchenwald. :)

Weiter ging es über kleine und winzigkleine Straßen wieder auf die Suche nach alten Steinmonumenten:



Cashtal yn Ard bei Maughold. Eine Grabanlage von etwa 3000 v. Christus.

Auch Maughold haben wir uns angeschaut, weil sie keltische Kreuze in/bei der Kirche haben (und wieder ein Flower Festival).



Nur die Straße zum Leuchtturm haben wir nicht gefunden. Auf Google Map kann ich mir die jetzt ansehen – und wundere mich nicht, dass wir die schmale Einfahrt nicht für voll genommen haben. *g*

Nach all der Natur sollte es dann doch noch was Zivilisierteres sein: wir haben uns auch Ramsey noch angeguckt, den Ort, durch den wir zuvor nur durchgefahren sind. Ramsay machte allerdings einen eher verschlafenen Eindruck. Wir sind lange, lange am Strand entlanggelaufen, haben aber immerhin die Drehbrücke gesehen.



Nach einem Päuschen in unserem Quartier – muss ja nicht immer volles Programm sein – waren wir noch mal in Douglas im British essen. Das war ein WM-Tag, an dem England spielte, so war uns nicht ganz wohl, uns in Zivilisation zu begeben. Aber der Trubel spielte sich vor einzelnen Kneipen ab und konnte das gut umgehen. Wir haben also gut gegessen (für mich gab es noch mal Pie) und wir haben für Sonntag klassischen englischen Afternoon Tea bestellt. *g*

Stimmung:
im Wald
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29. Jul 2018

feder

Laxey, Snaefell & The Braaid

Für diesen Tag hatten wir uns einen Ausflug in die Industriegeschichte der Isle of Man vorgenommen. Wir sind dazu nach Laxey gefahren, einem kleinen Örtchen im Osten der Insel. In der Gegend wurde lange Bergbau betrieben, es gab Blei- und Zinnminen und die dazugehörige Infrastruktur mit Halden, Fabriken, Erzwaschplätzen. Heute gibt es noch das Great Laxey Wheel, das der Entwässerung der Minen diente.



Dieses beeindruckende Wasserrad wurde 1854 errichtet und nach der Frau des damaligen Gouverneurs „Lady Isabella“ benannt. Schon damals war sie auch Touristenattraktion und sollte auch Eindruck machen. Rund 22 Meter misst das Rad im Durchmesser, damit ist es das größte Wasserrad Europas. Beeindruckend auch das lange Viadukt, auf dem eine sehr lange… äh… Stange die Drehbewegung des Rades weiterleitet.



Als wir am Freitag kurz nach Öffnungszeit am Eingang standen, stand das Rad still. Wir haben erfahren, dass freitags immer Servicetechniker da sind, um das Rad zu warten. Das war für uns natürlich super. Wir konnten das Rad angucken, als es stand und gleich noch zugucken, was die Techniker taten. Und wir konnten beobachten, wie das Wasser wieder lief und sich das Rad in Bewegung setzte. Da wird einem doch was geboten! :)

Wir haben die Anlage zweimal erklettert, wir sind dem Bergbaupfad ein Stück gefolgt und haben ein Stück in die Mine geschaut. Wir haben gestaunt, wie wenig Wasser es bedurfte, um das Rad in Bewegung zu setzen und zu halten. Das ist schon sehr beeindruckend von der Maschine, die bis 1929 hier gearbeitet hat. :)

Zurück im Ort beeilten wir uns dann, ein Zugticket zu bekommen. Laxey ist ein Verkehrsknotenpunkt historischer Eisenbahnen. Es liegt an der Manx Electric Railway, die von der Hauptstadt Douglas nach Ramsey führt. Und hier startet die Sneafell Mountain Railway, die auf den höchsten Berg der Insel führt.



Wir wollten auf den Berg. Die Bahn ist ebenso historisch wie die Lady Isabella. 1895 wurde sie gegründet. Seit dem erklimmt sie tapfer die Hänge des Sneafell mit Steigungen bis zu 12 %. Die Strecke ist 5 Meilen (8 km) lang. Es gibt eine Haltestelle an der TT-Strecke, die besonders bei Wanderern beliebt ist, die einen Rest des Aufstieges selbst bewältigen wollen.



Das mit der Adhäsions-Technik und der dritten Schiene hab ich nicht verstanden – ich lerne jetzt allerdings, dass die Bahn Teile ausgemusterter Aachener Straßenbahnen nutzt. Das ist spaßig.

Der Weg hinauf bot – mit Erklärungen vom Band – noch mal einen schönen Blick auf Lady Isabella und das Tal von Laxey, dann natürlich auf die Hügellandschaft und noch mehr Bergbaulandschaft und auf den TT-Kurs. Oben an der Bergstation angekommen, ist es nicht mehr weit bis zum Gipfel des Sneafell. 621 Meter ist der Berg hoch und bietet Aussicht auf die ganze Insel, auf Schottland, England, Wales und Irland. – Oder auch nicht, weil wir einen wolkigen Tag erwischt haben und quasi gar nichts sahen was sich außerhalb der Insel befand. Das war nach dem strahlenden Sonnenschein der letzten Tage ein bisschen Pech, aber nicht schlimm.



Wir haben uns umgeguckt, sind aber gleich bei nächster Gelegenheit wieder zurückgefahren. In Laxey haben wir uns dann noch ein zweites großes Wasserrad angeschaut: Lady Evelyn, das seit einigen Jahren wieder am alten Platz steht.



Wir waren in der alten Wollmühle von Laxey, haben da ganz klassisch Tee und Kuchen verspeist. Auch das Kirchlein haben wir uns angeschaut, wo wieder – Überraschung! – Flower Festival war. Die Damen da waren wieder sehr freundlich und einladend, da hatte man vor lauter Liebenswürdigkeit kaum Zeit, das Bauwerk anzuschauen. ;) Kaffee, Tee und Kuchen hätte es da auch gegeben.

Danach haben wir uns wieder auf die Suche nach alten Steinen gemacht. in Laxey befindet sich King Orry’s Grave, die größte Megalithanlage der Insel. Groß ist sie, ein Schild gibt es auch, wir sind trotzdem erst mal in der falschen Richtung unterwegs gewesen… wir hatten aber auch nicht erwartet, dass sich die Steine im Garten normaler Häuser befinden.



Die Anlage befindet sich auf beiden Seiten der Straße – oder andersrum, die Straße geht mittendurch. Da ist es natürlich schwierig, sich einen ursprünglichen Gesamteindruck vorzustellen. King Orry ist jedenfalls eine historische Figur. Er war König Godred Weißhand, der im Jahr 1079 das „Kingdom of Man and the Isles“ übernahm, Man und schottischen Hebriden. Dass das nun sein tatsächliches Grab ist, mag bezweifelt werden, auch ob es sich überhaupt um eine Grabanlage handelte.

Für den Nachmittag hatten wir dann ein Date. Wir waren mit einer Twitterbekanntschaft verabredet und haben sehr nett geplaudert. :) Danke noch mal für die Einladung!

Auf dem Rückweg nach Süden haben wir gleich an der Strecke in Crosby gegessen (ich hatte sehr leckere Nudeln), dann haben wir gleich noch einen Steinkreis gesucht. The Braaid:



Dabei ist das gar kein Steinkreis. Das sind die Reste eines Rundhauses und zweier Langhäuser aus der Eisen- und/oder Wikingerzeit. Die Gebäudereste weisen beachtliche Dimensionen auf: das Rundhaus hatte einen Durchmesser von reichlich 16 m, die Langhäuser waren 20m bzw. 18 m lang.



Das ist unsere Lieblingssteinmonument der Insel. Der Ort alleine ist schon toll mit der weiten Aussicht über das Hügelland. Die Steine sind toll, alte stehende Steine und dazwischen immer mal ein leuchtend weißer Quarzbrocken. Und auch die Wiese war toll mit blühenden Sommergewächsen im Abendlicht. Sehr idyllisch und friedlich. Ein Lieblingsplatz. :)

Stimmung:
unterwegs unterwegs
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26. Jul 2018

feder

Tynwald Day

Ich erwähnte ja schon, dass die Isle of Man ein Parlament mit langer Geschichte hat. Das Parlament – der Tynwald – ist seit dem Jahr 979 sogar das älteste, durchgehend funktionierende Parlament der Welt. Der isländische Thing ist zwar noch älter, hatte zwischendurch aber Unterbrechungen. Zurück geht die Tradition auf die Wikinger, die gar nicht nur die hörnerhelmtragenden Wilden waren, sondern auch Händler und Diplomanten.

Einmal im Jahr wird der Tynwald gefeiert – am 5. Juli, dem Tynwald day, dem Nationalfeiertag der Isle of Man. Es hat sich eher zufällig ergeben, dass der Tag in unserer Urlaubszeit lag. Aber wenn schon, denn schon, da mussten wir uns das natürlich angucken. Spaßigerweise hatte unser B&B-Vermieter am Morgen noch erklärt, dass er selbst da noch nie war, obwohl er doch Einheimischer ist.

Gefeiert wird am Tynwald Hill, einem stufigen Hügel in St. John’s in der Mitte der Insel. Man kann sich vorstellen, das die Feierlichkeit bei so langer Tradition sehr formell und traditionell ist. Für uns war das sehr spannend und unterhaltsam und interessant. Kalt leider auch, weil nach Tagen des Hochsommers ausgerechnet am Feiertag Manannan seinen Mantel über die Insel breitete. Und im Kleidchen war es dann doch arg frisch…



Der Hügel war abgesperrt. Als wir kamen wurde eben der Weg vorbereitet, den die Honoratioren von der Kirche zum Hügel ziehen. Dazu wurden Binsen auf dem Weg verstreut – sowas kenne ich nur aus Märchen, Binsenstreu in Hütten. Außerdem trugen alle Offiziellen ein Sträußchen Beifuß am Revers.



Ich weiß, Beifuß ist eine Pflanze, die mystisch stark mit Mittsommer und Sonnenwende verbunden ist, aber das hat mich trotzdem erstaunt. Aber ein frohes Erstaunen, ich mag es, wenn solche altertümlichen Rituale in die Gegenwart übernommen werden.

Wir haben uns erst mal den Festplatz angeguckt und die Stände, die ringsum aufgebaut waren. Wir haben Postkarten geschenkt und völlig ahnungslos an einem Ortsrätsel teilgenommen, bis wir uns schließlich einen guten Platz an der Begrenzung des Festplatzes sicherten, mit bestem Blick auf den binsenbestreuten Weg. Da konnten wir erst die Volkstanztruppe beobachten, dann wie diverses Militär Aufstellung nahm fürs Ehrengeleit. Solch militärisches Gehabe sieht man bei uns ja eher selten. Kadetten von Marine und… äh… irgendwas anderem… haben Aufstellung genommen, wurden ausgerichtet. Das ging so zu, wie man sich das klischeehaft vorstellte mit bärbeißigen Veteran der die Jungs und Mädels anweist, ordentlich dazustehen und das Hemd reinzustecken. Dann aber auch ganz und gar nicht klischeehaft, weil die Vorgesetzten auch herumschlichen und den Jugendlichen Traubenzucker zusteckten und sorglich darauf achteten, dass keiner umkippte. Das ist trotzdem passiert – die Disziplin musste nur immer so weit reichen, dass sie bei nahender Schwäche auf ein Knie gingen und warteten, bis ein Sani sie rausfischte. Spannende Sache. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das mit Umkippen gewesen wäre, wenn da die Sonne draufgeknallt wäre – zumindest dafür waren also die frischen Temperaturen ganz gut.

Wir haben den Einzug wichtiger Leute beobachtet. Das war zunächst der Vizegouverneur der Isle of Man, der der Vertreter der britischen Königin ist. Es kamen Militärmusikkorps, es wurden Kränze niedergelegt und Kriegsopfern gedacht. Es gab auch einen Überflug der Luftwaffe von Wales aus – die waren sehr pünktlich, man hat sie ob der Wolkenschicht aber nur gehört und nicht gesehen. Gleichzeitig fand in der Kirche ein Gottesdienst mit den Mitgliedern des Parlamentes statt. Deren Einzug zum Hügel haben wir dann aber nicht mehr abgewartet, weil uns zu kalt geworden war. Wir haben also nicht zuhört, wie die Gesetzesentwürfe des letzten Jahres öffentlich verlesen wurden, um Gültigkeit zu erlangen. Wir haben auch nicht aufgepasst, ob Bürger ihre Anliegen vorbringen, wozu sie an dem Tag Gelegenheit haben.

Wir haben Audrey einen Besuch abgestattet:



Vintage mobile Cinema – In den 60iger und 70iger Jahren gab es in Großbritannien eine kleine Flotte mobile Kinos, die der Volksbildung und Unterhaltung dienen sollten. Nachdem das Programm eingestellt wurde, fanden die meisten der Fahrzeuge andere Verwendung. Dieser Bus konnte aber wieder aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden und fährt jetzt wieder übers Land. Auf Festivals und bei Feierlichkeiten kann man Audrey antreffen. Gezeigt werden kurze historische Filmchen zum Bus und seiner Geschichte, aber immer auch historische Filmchen zum jeweiligen Standort. Wir haben also historisches Filmmaterial über die Isle of Man gesehen, vor allem über den Tourismus in den 50iger und 60iger Jahren. Das Ganze ist kostenlos, nur um eine kleine Spende wird gebeten. Das ist wirklich charmant – und drinnen waren wir windgeschützt und konnten uns aufwärmen.

Wir hatten dann nicht mehr so richtig Lust, uns noch mal ins Festtagsgetümmel zu stürzen. Wir haben uns noch das Wikingerdorf angeschaut, dann aber zugesehen, dass wir durch Parkplatzchaos und gesperrte Straßen wieder weg kommen. Wir haben uns in wärmere Sachen gehüllt – auch wenn es außerhalb von St. John’s nicht so bewölkt und damit wärmer war.

Weil Feiertag war mussten wir uns für das Nachmittagsprogramm dann was suchen, was nicht geschlossen war. Wir haben uns für das Grove House Museum in Ramsey entschieden. Das ist im Osten der Insel, so dass wir erst mal wieder ein Stück über den TT-Kurs gekurvt sind.



Grove House ist ein Anwesen, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Es wurde Ende 19. Jahrhundert von einem vermögenden Mann als Familiensitz gebaut und ausgestattet. Dessen Enkelinnen, die Schwestern Gibb, lebten hier bis ins hohe Alter genau in den Rahmen, den sie übernommen hatten. Sie waren als junge Mädchen ins Haus des Großvaters gekommen. Als der starb, hatte die Großmutter die Oberhoheit, später deren Schwester und dann die Töchter und Enkelinnen. Ein kleines Matriarchat, das auch in finanziell schlechteren Jahren ihr hübsches kleines Reich zusammenhielt.



Ich mag Häuser, die aussehen, als sei der Bewohner nur eben weggegangen. Häuser, in denen die Zeit stehengeblieben ist. Dazu kommt, dass es bei Grove House wirklich sehr freundliches Personal gab, das uns herumgeführt hat und Details zu den Zimmern erzählte und über die Lebensgeschichte der Familie. Drei Leute, die die Zimmer hüteten und alle drei gleichermaßen auskunftsfreudig und freundlich waren.

Auch außerhalb des Hauses gab es noch ein bisschen was zu sehen, ein paar Landwirtschaftsgeräte, alte Kutschen, den Garten und ein bisschen Farmgetier, vierhörnige Manx-Schafe und Wassergeflügel. :) Man könnte auch im Wintergarten Tee trinken, aber wir haben uns erst mal an unsere eigenen Keksvorräte gehalten. Auf jeden Fall ein lohnendes Ziel!

Mehr von Ramsey haben wir erst mal nicht angeschaut – wir sind wieder raus aus dem Ort, ganz nach Norden um den Leuchtturm am Ende der Insel anzuschauen. Ganz im Norden den Point of Ayre.



Der Leuchtturm ist der älteste der Isle of Man. Man kann leider nicht ran – aber man kann an den Schotterstrand, der dem Ort auch den Namen gab (nordisch: Eyrr – Schotterstrand/Kiesstrand). Schotter gab‘s genug, man konnte nur nicht überall drauf, weil da die Vögel brüten und deswegen geschützt sind.



Schottland ist nicht weit, es sind nur 26 km bis dahin. Wir hatten gute Sicht und konnten die schottischen Hügel gut sehen. Eine hübsche Ecke, die zur Ginsterblüte bestimmt noch mal toller aussieht.

Auf dem Weg zum Essen haben wir am Abend noch mal an einem hübschen Friedhof Halt gemacht – Friedhöfe sind ja immer spannend. Der liegt direkt neben einer TT-Tribüne am Hang und war im Abendlicht besonders malerisch:



Wir sind dann nur noch Essen gewesen, noch mal im Horse & Plough, wo sie tatsächlich Silphs Tuch gefunden hatten. Gegessen habe ich einen leckeren Ale Pie.

Stimmung:
historisch

24. Jul 2018

feder

Peel und Meer

Mittwoch. Wir sind nach Peel aufgebrochen, einem Städchen im Westen der Isle of Man. Auf dem Weg dahin sind wir schon mal durch St. John’s gefahren und konnten schon mal einen Blick auf den Tynwald Hill werfen – das sollte aber erst am nächsten Tag spannend werden. ;)

Peel ist ein Städtchen mit nicht mal 4000 Einwohnern. Es wird beherrscht von der Ruine von Peel Castle, das sich auf der vorgelagerten St. Patricks-Insel befindet.



Eigentlich ist es eine Festungsanlage, nicht unbedingt eine Burg. Im 11. Jahrhundert haben die Wikinger hier ihre Befestigung gebaut – vorher gab es aber schon ein Kirchlein der keltischen Christen und noch vorher prähistorische Siedlungen. Davon gibt es nicht wirklich Spuren – nur die Kaninchen, die es massenhaft auf dem Gelände gibt, buddeln immer mal ein paar Scherben aus. Das ist natürlich auch eine Art Archäologie. *g*



Wir haben am Eingang einen Audio-Guide bekommen, der uns Informationen zu den einzelnen Bereichen der Anlage vermittelte. Unser Guide war dabei Manannan, der Meeresgott persönlich, was es nicht nur informativ sondern auch unterhaltsam machte. Und so haben wir was über die unterschiedlichen Befestigungswälle gelernt, über die Kirche und ihre Gräber, über den Turm und auch über den schwarzen Geisterhund Mauthe Doog.



Aussicht gab es natürlich auch, die Bucht mit dem Örtchen ist schon sehr malerisch. :)

Aber Peel hat noch mehr an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Da ist zum einen die Kathedrale, in der gerade (wie gefühlt überall auf der Insel) ein Flower Festival stattfand, zum anderen das Haus des Manannan. Das ist ein Museum, in dem die Inselgeschichte von der Frühzeit über die Wikinger bis hin zur Gegenwart sehr anschaulich darstellt wird. Auch hier war Manannan sebst unser Führer – der sich über die Jahrhunderte veränderte und in immer neuer Gestalt wieder auftauchte. Das war sehr spaßig.



Aber auch so war das Museum interessant und spannend. Es gab ein nachgebautes keltisches Rundhaus, eine Hafenstraße im 18./19. Jahrhundert mit vielen Geschichten von Seefahrern und Abenteurern, Dorfgeschichten und Sprachgeschichten. Außerdem haben sie „Odins Raben“, den Nachbau eines hölzernen Wikingerschiffes, mit dem ein Trupp Abenteurer in den 70iger Jahren von Norwegen aus zur Isle of Man segelte.



Thor Heyerdal läßt grüßen. ;)

Wir waren an der Stelle erst mal ganz schön vollgestopft mit Informationen. Wir haben auf dem Parkplatz noch flugs gepicknickt, sind dann entlang der Küste nach Norden gefahren. Nach all der Kultur konnten wir noch ein bisschen Natur vertragen.

Der erste Blick galt den Manx-Schafen, eine besondere alte Rasse mit vier Hörnern. Wir haben sie auf dem Friedhof von Kirk Michael das erste Mal aus der Nähe gesehen, was natürlich zwischen den Grabsteinen einen ganz besonderen Anblick bot:



Als nächstes suchten wir auf winzigen Sträßchen einen Parkplatz, um das Glen Mooar zu besuchen und den höchsten Wasserfall der Insel:



Spooyt Vane ist bei der Hitzewelle vermutlich auch ein bisschen dünner als üblich, aber trotzdem noch sehr hübsch. Auch das Tal ist sehr schön, sehr grün, golddurchwirkt vom Sonnenschein. Wir sind nicht das ganze Tal hinuntergewandert, nur bis zum Wasserfall. Und weil wir am Parkplatz einen netten Herrn getroffen haben, sind wir auf dessen Ratschlag oberhalb des Wassers noch ein Stück weitergegangen, um ein Keeill zu suchen. Das ist die gälische Bezeichnung für eine Kapelle, ein frühchristliches Bauwerk. Hier standen zwar nur noch Reste davon, aber wir gucken ja immer gerne alte Stellen voller Geschichte an.



Außerdem war der Wald hübsch – und wir haben da vermutlich ein Wallaby gesehen. Ja, genau Wallabys, australische Kängurus, von denen es seit den 70iger Jahren eine wilde Population auf der Insel gibt. Sie sind damals aus einem Wildpark ausgebrochen und fühlen sich wohl sehr wohl da. Wir haben das Tier nicht genau gesehen – schon gar nicht fotografieren können – aber es kann eigentlich nichts anderes sein. Von der Größe her etwas wie ein Reh mit der Fortbewegung eines Eichhörnchens. ;) Und es war auch die richtige Gegend. ;)

Für uns ging es dann weiter nach Norden. Ich wollte ins Meer, wenn wir schon mal da sind, und da bietet die Gegend ja einige Möglichkeiten. Wir haben bei Ballaugh einen hübschen Strand gefunden und da war ich dann im Wasser.



Das war gar nicht mal so kalt, da ließ es sich aushalten, nur der reichliche Seetang war ein bisschen störend. Aber es sollte ja eh kein stundenlanger Aufenthalt werden. Schön war es trotzdem in der Irischen See mit der blassen Silhouette von Irland am Horizont. :)

Blieb uns nur noch der Rückweg. Den haben wir über die Bergstraße genommen, ein Stück entlang der Motorradstrecke des TT. An Windy Corner haben wir kurz Rast gemacht und von oben in das Tal mit unserem Quartier geschaut. Und überhaupt in die Täler und Berge und Ausblicke über die Insel.



Sehr hübsch. :) Außerdem haben wir da oben auch unsere Mitbewohner des B&Bs getroffen, die an dem Tag mit den Fahrrädern die TT-Strecke bezwungen haben. Respekt!

Gegessen haben wir Braddan im Horse & Plough. Es gab einen Burger, an den ich keine weiteren Erinnerungen habe. Was aber nicht am Geschmack gelegen ahben kann, wir sind da nämlich noch mal hingegangen zum Essen. ;)

Stimmung:
sommerlich
Tags:

23. Jul 2018

feder

Cregneash, the Chasms, Meayll Circle

Ausgestattet mit dem Manx Heritage Pass konnten wir uns nun aufmachen, die Sehenswürdigkeiten der Insel zu erkunden. Und da wir uns immer gerne Freilichtmuseen angucken haben wir mit dem Museumsdorf Cregneash angefangen. Das liegt ganz im Süden der Isle of Man, nicht weit vom vorgelagerten Inselchen Calf of Man entfernt.



Ein sehr charmantes Museum mit wirklich nettem Personal, das das dörfliche Leben in früheren Zeiten anschaulich machte. Und mit Bonnie, einer netten Manx-Katze, die uns Touristen begleitet hat, um sicherzugehen, das alles mit rechten Dingen zugeht. ;)

Los ging es zunächst mit einem Filmchen über die Insel und über das einfache Leben. Es sind Bauernhäuser, die hier gezeigt wurden und das war es schließlich auch, wovon die Leute früher gelebt haben. Landwirtschaft, ein bisschen Fischfang, ein bisschen Weben, vielleicht ein bisschen Bergarbeit in den Minen. In Cregneash kann man sich das noch sehr gut vorstellen, hier scheint die Zeit stehengeblieben und die Bewohner nur mal eben um die Ecke.



Dazu trägt sicherlich bei, dass die Ländereien des Dorfes noch bewirtschaftet werden. Es gibt Schafe und Hühner und Pferde, die alle noch ihren Dienst tun. Die Leute in den Häusern beantworten bereitwillig alle Fragen, machen Handarbeiten – und laden auch mal ein, das alte Harmonium zu spielen. :)

Kurios: als wir uns eben mit der netten Dame mit den Handarbeiten unterhielten, kam der Mann, der vorher mit den Kaltblutpferden unterwegs war, und erzählte, dass ein großer weißer *unbekannteVokabel* die Hühner aufgeschreckt hätte. Das Vieh sei in den Hühnerstall gegangen. Wir grübelten. Raubvogel? Fasan vielleicht (aber groß und weiß?) Schließlich ging die Dame nachschauen, wir schlossen uns an. Es war eine weiße Pfauendame – peahen – die empört über die Störung den Hühnerstall wieder verließ. *g* Wildlife!



Wir haben uns noch das Kirchlein angeschaut und die Ausstellung zur Sprache der Isle of Man. Das Manx ist eine gälische Sprache, die beinahe ausgestorben ist. Die letzten Muttersprachler sind in den 70iger Jahren gestorben – inzwischen gibt es Bemühungen zur Wiederbelebung, aber das ist, wie man sich vorstellen kann, eher mühselig. Inzwischen gibt es wohl auch wieder junge Muttersprachler.

Bemerkenswerterweise gibt es in Cregneash auch noch normale Häuser, wo Leute normal drin wohnen. Das macht das Museumsdorf noch mal lebendiger. :)

Wir sind vom Museumsdorf aus dann erst mal den Berg hinaufgestiegen, um den „Steinkreis“ Meayll Hill zu suchen. Steinkreis deshalb in Gänsefüßchen, weil es eigentlich ringförmig angelegte Kammergräber sind – also eher ein Kammergräberkreis. ;) Malerisch ist die Anlage auf jeden Fall:



Steine! Und schon erste blühende Heide! Und Aussicht bis Irland und Blick auf Calf of Man!

Dann ging es wieder den Berg runter, rein ins Auto und auf die winzige Straße durchs Museumsdorf. Da wieder den anderen Hügel rauf, immer getreu des Grundsatzes: Am Ende der Straße ist ein Parkplatz. ;) Da war Parkplatz, da war Aussicht, vor allem waren da bodenlose Abgründe:



The Chasms. Den einzelnen Felsen vor der Küste hatte ich schon vom Flugzeug aus gesehen. Die Klüfte machten die Sache noch viel spektakulärer. Natürlich gibt’s kein Geländer, man muss schon selber aufpassen, wenn sich da bodenlose Abgründe auftun:



Huiuiui…

Nach den Klippen ging es wieder auf den Berg hoch, um den Berg rum bis in den äußersten Süden der Insel. The Sound. Dort gibt es einen Aussichtspunkt mit direktem Blick auf die vorgelagerte Insel Calf of Man.



Und das Meer sieht man natürlich und die Vögel. Man soll manchmal auch Robben und Wale und Walhaie sehen können, wir haben uns mit Inselausblick begnügt. Und mit Eis. ;)

Über eine putzige Single-Track-Road sind wir nach Port Erin gefahren. Das ist ein Badeort, von dem wir nicht so viel gesehen haben. Wir sind nur durchgefahren, haben einen Parkplatz gesucht, von dem aus wir zum Milner’s Tower laufen können. Das war ganz schön weit und vor allem ganz schön warm. Der Turm ist aber hübsch und vor allem die Aussicht!



Die Form des Turmes soll übrigens ein Schloss mit Schlüssel darstellen, weil das Bauwerk zu Ehren von William Milner, einem „Safemaker“, errichtet wurde. Er war ein großer Förderer der Stadt Port Erin (und förderte wohl ohne es zu wissen auch die Kosten seines Turmes).

Am Abend waren wir dann noch mal in Douglas. Wir hatten uns inzwischen ein bisschen zu den Lokalitäten informiert und sind so im „The British“ gelandet, wo es ausgezeichnetes Pub-Essen gab (für mich leckeres Lamm-Curry).

Auf dem Rückweg haben wir noch einen Schlenker zu dem kleinen Kirchlein oberhalb unseres B&B gemacht. Eigentlich dachten wir ja, da kann man abends mal hin laufen, aber wir haben keinen Weg gefunden. Deshalb also Auto zum Kirchlein – und zum Alten Tynwaldplatz.



St. Lukes Church



Der Tynwald ist heute das Parlament der Isle of Man. Das war aber auch schon die Versammlung der Wikinger, auf deren Tradition es zurück geht. Heute tagt das Parlament natürlich nicht mehr im Freien. Es gibt noch einen offiziellen Tynwald-Platz in St. John – das hier ist aber Old Tynwald, ein ehemaliger Versammlungsplatz bei East Baldwyn. Sehr malerisch im Abendlicht. Und je nach Theorie ein magischer Platz, weil er sich genau im Zentrum der Insel befindet. :)

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Blick in die Vergangenheit
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19. Jul 2018

feder

Anreise zur Isle of Man

Man kommt von Deutschland aus nicht direkt auf die Isle of Man. Wir haben uns daher mit Fährfahrten und Flugmöglichkeiten beschäftigt. Fähre hätte uns ja schon gefallen, das hätte man mit ein paar Tagen im Lake District verbinden können, der eh noch auf unserer Wunschliste steht… aber das war zu teuer und kompliziert. – Also doch ein Flug mit Zwischenhopp. Da es uns zu riskant war, uns auf die Pünktlichkeit der Flüge zu verlassen, zumal das mit Flughafenwechsel verbunden war, haben wir dafür einen eigenen Reisetag eingeplant. Sprich, wir sind am Sonntag nach London Heathrow geflogen und dann mit dem Bus nach Gatwick gefahren. Da haben wir am Abend schon mal die Koffer eingecheckt und eine Nacht noch übernachtet. Das war alles unkompliziert, nur dass wir keine Fish & Chips bekommen haben, sei zu bemängeln. Damit wollen wir doch traditionell eine Reise nach Großbritannien beginnen…

Am Montagmorgen dann ging es auf die Insel, wir konnten uns früh unser Auto schnappen und hatten noch den ganzen Tag Zeit, schon mal was anzuschauen. Noch ziemlich unorientiert sind wir direkt vom Flughafen aus bei Rushen Abbey gelandet, einer hübschen Klosterruine.



Die Abtei gehört zu Manx Heritage, von denen ich mir sogleich einen Pass besorgte. Für 25 Pfund habe ich Sehenswürdigkeiten im Eintrittswert von 52 Pfund besichtigt, das hat sich schon gelohnt. Silph hat den Pass nicht gebraucht, sie ist ja CADW-Mitglied und kommt so überall rein (es haben sich auch alle gefreut, mal einen CADW-Pass zu sehen).

Von Rushen Abbey ist jetzt nicht so viel übrig. Es gibt noch einen Turm und einige Räumlichkeiten, ansonsten vor allem das schöne Gelände mit blühenden Anpflanzungen. Als wir da waren, wurde einerseits gerade eine Hochzeit gefeiert, so dass wir nicht immer überall rankommen (konnten aber elegant gekleidete Leute begucken), andererseits fanden diverse Schülerprojekte statt. Das war spaßig, weil überall als Mönche verkleidete Helfer herumliefen und den Schülergruppen Dinge erklärten oder Aufgaben verteilten. Bei der Gelegenheit haben wir beispielsweise mit einem toten Bischof gesprochen. *g*



Doch, das war nett. Nicht spektakulär, aber nett.

Von Rushen Abbey aus sind wir – durch eine Furt! – nach Castletown gefahren, um uns Stadt und vor allem Castle Rushen anzuschauen. Erst mal haben wir aber auf dem hübschen Platz vor der Burg was gegessen.



Castle Rushen sieht von außen nicht sonderlich spektakulär aus, es ist ein steinerner Klotz mit hohen nackten Wänden. Als Festung und zeitweilig Gefängnis muss man ja aber auch nicht einladend sein. Innen ist die Burg hingegen sehr spannend. Es gibt viele Gänge und Treppen und Räume und Aussichten. Einige Zimmer sind eingerichtet, um das Leben in der jeweiligen Zeit nachvollziehbar zu machen, und überall gibt es Informationstafeln, die die Geschichte des Ortes erklären.



Die Isle of Man hat eine wechselvolle Geschichte. Auch die Burg hat ihre Wurzeln in der Wikingerzeit, dann stritten sich England und Schottland um ihren Besitz. Der King ov Mann – heute Lord of Man – residierte hier, es gab Kämpfe hier im englischen Bürgerkrieg um den Besitz von Insel und Burg. Später residierte hier das Inselparlament, das House of Keys, im 18. und 19. Jahrhundert diente die Burg schließlich als Gefängnis und Irrenhaus.



Das hat uns alles gut gefallen, Castletown selbst ist auch hübsch mit Hafen und Drehbrücke und Küstenausblick. Wir waren ja gerade erst angekommen, da reicht ja schon Meerblick für Begeisterung. :)

Wir haben uns dann erst mal ins B&B begeben. Ich erwähnte ja schon, dass es mitten in der Pampa lag, zwar nur eine Viertelstunde/Halbestunde von der Hauptstadt entfernt, aber nur über winzige Sträßchen zu erreichen. Es hat uns da sehr gut gefallen, die Aussicht war idyllisch, Hühner standen auf der Terrasse. Das Zimmer war sehr schön, die Gastgeber super freundlich und hilfsbereit und das Frühstück wirklich ausgezeichnet. Da haben wir einen sehr guten Griff getan mit dem Quartier.



Trotzdem sind wir am Abend noch mal losgefahren. Wir wollten schon mal einen Blick auf die Hauptstadt Douglas werfen und uns ein Abendessen suchen. Ersteres war nicht allzu schwierig, letzteres hat nur so mittel geklappt, weil da wo wir suchten schon alle Bürgersteige hochgeklappt schienen. Aber wir haben was bekommen und eben auch schon einen Eindruck von der Stadt.



Ein Seebad mit verblassendem viktorianischem Charme, generischer Einkaufsstraße und Bürogebäuden. Da waren wir doch einmal mehr zufrieden, uns unser Quartier außerhalb gesucht zu haben.

Stimmung:
ab auf die Insel
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18. Jul 2018

feder

Zurück von der Isle of Man

Wir haben ja schon einige britische Inseln besucht, die Hebriden, die Orkneys, Jersey – da passte die Isle of Man als Reiseziel natürlich gut dazu. Die Insel gehört staatenrechtlich nicht zu Großbritannien und auch nicht zur EU, sie ist Kronbesitz der Queen und eigenständig mit eigenem Geld und einem mehr als tausendjährigen Parlament. Die Insel liegt zwischen Schottland, England, Irland und Wales, deren Küsten man bei guter Sicht auch sehen kann.

Wir fanden die Insel, die reichlich halb so groß ist wie Rügen, sehr vielfältig. Es gibt schöne Küste ringsum, malerische baumlose Hügel, aber auch Wald und tiefe Täler mit Wasserfällen. Und Steine natürlich, (prä)historische Orte, Ruinen, Burgen. Alles was unser Herz so begehrt. :)

Wir sind in unserer Woche auf der Insel rund 640 km (398 Meilen) gefahren, was ich bei der Inselgröße doch ganz beachtlich finde. Unser Quartier war ein reizendes B&B mitten im Nirgendwo mit Hühnern auf der Terrasse, Schafsgeblöke und dem Motorradgebrumm von Windy Corner. Für Motorradfahrer ist die Isle of Man nämlich auch berühmt, da dort seit 1907 alljährlich das Motorradrennen TT stattfindet, die Isle of Man Tourist Trophy. Auf der Strecke waren wir auch immer mal unterwegs – wir hatten aber wohlweislich einen Termin nach der Rennzeit gewählt (da sind auch Anreise und Quartier wieder bezahlbar).

Wir hatten herrliches Sommerwetter die ganze Woche lang, fast sogar ein bisschen zu warm. Wir haben aber auch „Manannans cloak“ kennengelernt – den Nebelmantel des Meeresgottes Manannan, der die Insel einhüllt und versteckt oder auch nur Teile der Insel. Da konnte man im Sonnenschein an der Küste stehen und nebenan den Nebel anbranden sehen – oder im Nebel unter Wolken plötzlich frieren, wo doch eigentlich Hochsommer war. ;)



Das war landschaftlich schon alles sehr schön. :)

Wie immer folgen die Reiseberichte noch im Detail, das nur schon mal als Rückmeldung und Einstimmung.

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noch urlaubsgestimmt
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