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6. Aug 2018

feder

Brighton

Dritter Zugtag. Wir ließen unsere Blicke über die doch recht vielfältigen Möglichkeiten schweifen, erwogen Salisbury und Winchester… entschieden uns dann aber für Brighton. Normalerweise vermeiden wir ja die großen klassischen Seebäder wegen abschreckender Menschenmengen, aber Brighton hat ja noch mehr als das. Es war dann der Royal Pavilion, der den Ausschlag gab.



Das ist ein wirklich exotischer Bau. Außen indisch, innen chinesisch mit sehr viel Gold und sehr viel Farbe. Wir dachten, wir hätten mit Castle Coch und vielleicht Neuschwanstein schon alles an romantisierendem Dekor gesehen, aber das hat hier alles noch mal auf ein neues Level gehoben.

Den Royal Pavilion ließ Anfang des 19. Jahrhunderts der Prince of Wales – der spätere König George IV. erbauen. Vorbild waren die indischen Mogulpaläste. Queen Victoria konnte sich mit dem Anwesen nie so wirklich anfreunden – sie mochte Brighton nicht, sie beklagte mangelnde Privatsphäre – so dass der Palast von der Regierung 1850 an die Stadt Brighton verkauft wurde. Victoria nahm einen Großteil der Innenausstattung mit. Der Royal Pavilion erlebte eine wechselvolle Geschichte, unter anderem als Lazarett im 1. und 2. Weltkrieg für die indischen und westindischen Soldaten, die sich hier ein bisschen an die Heimat erinnert fühlen sollten. Nach dem Krieg wurde das Anwesen restauriert, es ist auch ein ganzer Teil der Möbel zurückgekommen. Das heißt kurioserweise, das Gebäude gehört immer noch der Stadt, das Inventar immer noch der Queen. ;)



Leider durfte man innen nicht fotografieren. Man kann sich ohne Bilder aber nicht wirklich vorstellen, wie bunt und exotisch es da drinnen aussah. Allein dieser riesige, tonnenschwere Drache im Speisesaal, der den Kronleuchter hält… was für ein unglaubliches Ding. Drachen überall, die sich aus der Tapete ringeln und Vorhänge umschlingen. Gold überall und chinesische Gemälde, was nicht so recht zu dem indisch anmutenden Äußeren passte. Aber es ging ja nicht um Authentizität sondern um… äh… Exotik? Prunk?

Außen um den Royal Pavilion gibt es einen hübsch angelegten Garten und noch ein Museum – wir waren aber so übersättigt von Eindrücken, das wir nur ein bisschen außen rum geschlendert sind und da nix mehr groß angeguckt haben. Lieber haben wir uns einen Cream Tea gegönnt und Leute beobachtet und einem Straßenmusikanten zugehört.



Ansonsten ist Brighton natürlich ein berühmtes Seebad, vielleicht das englische Seebad überhaupt. Schon 1841 wurde es ja mit der Bahn von London aus angebunden, so dass schon zu diesen Zeiten die Touristen strömten. Die Stadt hat noch immer diesen viktorianischen Charme – gleichzeitig aber auch eine gewisse Hippie-Atmosphäre.



Der Pier ist die klassische Seebadsehenswürdigkeit. Ich komm immer noch nicht so recht darüber hinweg, dass in diesen klassischen Hallen, Spielhöllen und Achterbahnen drin sind, Lärm, Musik und Gedaddel und bunte Lichter. Das ist sehr klassisch englisch, für mich aber eher irritierend. Von außen so hübsch und von innen so ein Jahrmarkt.

Wir sind einmal durchgelaufen, haben Aussicht genossen und uns dann unten noch ein bisschen an den Strand gesetzt. Steinstrand, das hatte ich nicht erwartet, aber hübsche Steine. Hübsche runde Kiesel.



Man musste bloß auf die Möwen aufpassen, die natürlich in solchem Umfeld vor gar nichts zurückschrecken. Auf den Fotos sind sie aber trotzdem hübsch und passen gut dazu.

Wir sind dann nur noch ein bisschen durch die Stadt geschlendert, an der North Lane entlang. Brighton hat schon sehr viel Charme, man kann nachvollziehen, warum die Stadt seit so vielen Jahren ein Anziehungspunkt für Touristen ist. Strand und Pier sind sehr hübsch und allein schon der Royal Pavilion ist eine Besichtigung wert. :)

Auf dem Rückweg sind wir dann noch weiter nach Watford gefahren, weil wir in den Shop der Potter Experience wollten. Hat aber nicht geklappt, der Bus nimmt einen ohne Ticket nicht mit. :( Immerhin hat uns die sinnlose Fahrt nichts extra gekostet.

Später am Abend waren wir noch mal unterwegs, weil wir gelernt haben, dass das Victoria & Albert Museum freitags abends lange auf hat. Wir haben noch mal in Farringdon gegessen (Lasagne) und sind dann zum Museum gefahren. Glücklicherweise ist das Museum mit Tunnel an die Tube angeschlossen, es hat da nämlich tatsächlich mal geregnet.

Wir sind ein Stündchen durchs Museum geschlendert. Das war gar nicht mal so verlassen wie erwartet – es war aber leider auch nicht alles zugänglich. Das Erdgeschoss nur und ausgewählte Bereiche oben. Schade. Aber hat trotzdem gereicht und fußlahm waren wir auch so. Immerhin hatte der Regen inzwischen aufgehört und wir sind auf dem Heimweg nicht noch nass geworden.

Stimmung:
erschöpft
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5. Aug 2018

feder

Cambridge

In Oxford waren wir schon mal, da lag es auch nahe, noch Cambridge anzugucken, das ja in ewiger Rivalität mit der Univiversitätsstadt liegt. Auch Cambridge ist eine Universitätsstadt – geht aber auf Scholaren zurück, die mit Oxford in Streit lagen, von dort auswanderten und ihre eigene Universität gründeten. Dabei darf man sich das (weder in Oxford noch in Camridge) als eine einheitliche Universität vorstellen. Vielmehr finden sich in den Städten eine ganze Reihe von Colleges, die von der Universität unabhängige Institutionen bildet. Cambridge University hat ganze 31 Colleges. Es ist eine der traditionsreichsten und angesehensten Universitäten weltweit – keine andere Universität hat mehr Nobelpreisträger hervorgebracht.

Wir sind wieder mit unserem schicken Rail Pass gefahren. Vom Bahnhof aus haben wir gleich das King’s College angesteuert, das 1441 von König Heinrich dem VI. gegründet wurde. Berühmt ist es vor allem für seine Kirche:




Das ist gotische Architektur vom Feinsten – das größte und schönste Fächergewölbe der Welt. Da kann man tatsächlich nur mit offenem Mund staunen.



Leider konnte man sich den Rest vom King’s College nicht anschauen, das war geschlossen, genau wie das Trinity College, dessen berühmte Bibliothek und Halle wir eigentlich angucken wollten. Das war alles schade, aber nicht zu ändern. Vielleiht lag es daran, dass die Ferien kurz bevorstanden und – vielleicht – überall Prüfungen waren.



Wir sind also nur ein bisschen am Fluß entlang geschlendert und durch die Gassen geschlendert. Wir sind nicht Boot gefahren – was man wohl traditionell in der Stadt machen soll. Wir sind am Markt entlang geschlendert und haben leckeren Cream Tea verspeist. *mjam*

Schließlich waren wir noch in der Round Church (Church of Holy Sepulchre). Es ist eine von vier runden mittelalterlichen Kirchen, die es noch gibt: Sie stammt aus dem Jahr 1130, die romanische Architektur ist noch gut zu erkennen. Wir sind sehr nett empfangen worden – und bekamen dort einen Film über Cambridge gezeigt: Das war super, das gab einen Gesamtüberblick, Geschichte, Geographie, Architektur. Da fühlten wir uns gut informiert, auch wenn wir auf die Besichtigung weiterer Colleges verzichtet haben (die wären bestimmt auch alle zu gewesen). Nur, dass wir uns nicht gemerkt haben, wo dieser steampunkige Chronograph steht, ist ein bisschen schade.

Cambrindge ist ein durchaus sehenswertes Ziel. Natürlich sind auch da viele Touristen, viele Sprachschüler und Sprachreisende, die Stadt hat aber doch noch einen eigenen Charme. Sie kommt mir überschaubarer vor als Oxford und ein bisschen beschaulicher, aber das mag daran liegen, dass meine Erinnerungen an Oxford gespalten sind. Auffälliger Unterschied war jedoch, dass in Cambridge nirgends Studenten in Roben zu sehen war. Weil keine unterwegs waren vielleicht, weil eh alles geschlossen hatte… oder weil die das hier nicht machen?

Zurück in London haben wir uns dann einen neuen Weatherspoon gesucht, ich hab Curry gegessen. Das war dann auch schon unser ganzes Tagesprogramm…

Stimmung:
unterwegs
Tags:
feder

Dover

Wir waren schon recht oft in Großbritannien, einige Ecken fehlen aber noch auf unserer Liste. Dazu gehörte bislang auch der Südosten. Wir wollten ohnehin nicht die ganzen Tage in der Stadt verbringen, also hatten wir uns einen National Rail-Pass gekauft mit dem wir in einem ziemlich großen Gebiet um London herum mit der Bahn fahren konnten. Damit kommt man bis Bath im Westen, bis zur Küste im Süden, aber auch bis Salisbury, und im Norden bis King’s Lynn. Wir haben uns vorab einen Pass für drei Tage gekauft (und einen vierten dazubekommen) und das hat alles super funktioniert. Wir mussten ihn nur am ersten Tag abstempeln lassen, für die anderen Tage konnten wir das Datum dann selbst eintragen.

Das Ziel, das wir vorab schon geplant hatten, war Dover. Dover Castle ist weltberühmt, die Kreideküste und der Blick über den Ärmelkanal.



Wir sind recht früh aufgebrochen und waren trotz kleinerer Umwege und merkwürdig zugewuchertem Aufstieg noch kurz nach Öffnung des Castles vor Ort. Da zeigte sich dann, dass Silphs lebenslange CADW-Mitgliedschaft nicht nur sie kostenfrei in eine English-Heritage-Sehenswürdigkeit bringt, sondern auch mich als Begleitung. *g* Das ist natürlich praktisch, erst recht, da Dover eine der hochpreisigen Sehenswürdigkeiten ist.

Von der Anlage her erinnert mich Dover an Stirling Castle in Schottland. Ein großes Gelände mit militärischen Bollwerken, mit Nebengebäuden und Kirche und großem, innen liebevoll restauriertem Schlossgebäude. Und das dann noch lebendig gemacht durch Filmchen oder gewandeten Staff oder auch Hologrammen, die Räume „belebten“.

Wir haben zuerst die Kirche angeschaut, die neben den Resten eines römischen Leuchtturmes steht.



Die Kirche stammt ursprünglich aus sächsischer Zeit, sie wurde aber nach jahrhundertelangem Verfall im 19. Jahrhundert in die heutige Form gebracht. Sie diente dann als Militärkirche.



Von den ursprünglich romanischen Formen sieht man nun nicht mehr viel.

Kirche und Leuchtturm befinden sich auf dem höchsten Punkt des großen Geländes. Man hatte von da auch einen guten Überblick – das Wetter gewährte uns allerdings keinen Fernblick bis Frankreich. Es war tatsächlich auch wieder windig und frisch, so dass wir uns erst mal in einem Nebengebäude ein Filmchen zur Geschichte der Burg angeschaut haben. Zusammen mit einer deutschen Schulklasse – Dover ist Hauptsehenswürdigkeit und von Schulklassen aus aller Herren Ländern belagert… Wir haben jedenfalls gelernt, dass Heinrich II. die Burg ausgebaut hat, die dann auch zu einem Schauplatz im KAmpf um seine Nachfolge wurde. Ein kurzer Abriss durchs Hause Plantagenet. Vieles kannten wir schon, auch wenn ich das nicht so detailliert referieren könnte, wie sie es dargeboten haben.

Dann sind wir zum Aufwärmen in das Hauptgebäude gegangen.



Das ist wirklich sehr hübsch restauriert, sehr farbenfroh, aber durchaus wohnlich.



Es sind nicht alle Räume restauriert, aber die wichtigsten. Thronsaal, Schlafsaal, Royal Chapel, wo dem englischen heiligen Thomas Becket gedacht wird. Einige Diensträume, Küche, Wachstube, Schreibstube mit Schatzkammer und Unmengen an Gängen und Treppen.

Im Schlafzimmer war spaßig, dass mich eine hilfreiche Dame vom Staff mich ansprach, ob mir denn aufgefallen sein, dass das Bett so kurz ist und ob ich wüsste warum. Äh, ich war verwirrt über die Frage, referierte kurz darüber, dass man in früheren Zeiten nicht flach schlafen wollte, weil das das an die Position Toter erinnert. Deshalb schlief man im Sitzen. Sie genau so verwirrt wie ich: „That‘s right, you get a star for the answer. Good girl.“ *g* Ich nehm das mal als „10 points to Ravenclaw“.



Wir waren auf dem Turm, wir waren im Souvenirshop. Allerdings waren wir auch allmählich ermüdet von dem Gewimmel der Menschenmengen/Schulklassen. Wir sind also nicht noch die komlette Anlage abgelaufen, sondern nur noch kurz in den militärischen Tunneln. Die waren allerdings nicht so spannend, aber das mag auch an der ermüdeten Aufmerksamkeit und am Militarismusthema gelegen haben…

Wir sind zurück in die Stadt, die erstaunlicherweise sehr wenig touristisch wirkte. Weil alle nur das Castle angucken und durchfahren vermutlich. Das kleine Stadtmuseum an der Touristinfo lohnt aber auf jeden Fall einen Besuch, da sie ein großes bronzezeitliches Boot haben. Nie davon gehört, aber sehenswert.

Wir haben im örtlichen Weatherspoon gegessen (ich hatte Chili zum warmwerden), dann sind wir zurück zum Bahnhof. Wir sind aber nicht gleich nach London zurückgefahren, sondern sind noch in Canterbury ausgestiegen. Die Kathedrale von Canterbury ist ja auch so ein must see.



An der Stelle die Anekdote aus der Jungend: wir waren auf Klassenfahrt in London, in der, ich glaube 11. Klasse. Nach langem Besichtigungstag waren wir auf dem Weg zur Fähre, es war schon dunkel, der Bus hält neben einer Mauer und will uns rauswerfen. „Die Kathedrale ist gleich da vorn, in einer Stunde geht es weiter.“ Und wir gucken uns alle völlig verpeilt an: „Welche Stadt ist das eigentlich?“

Das, was ich immer zuerst mit der Kathedrale von Canterbury verbinden werde: „Welche Stadt ist das eigentlich?“ *g*



Bei Lichte besehen ist Canterbury aber eine sehr hübsche Stadt, wenn auch wieder sehr voll, was ja aber auch zu erwarten war. Es ist ja auch zurecht eine Hauptsehenswürdigkeit. Die Kathedrale ist ein faszinierendes Bauwerk und das Zentrum anglikanischer Religion.



Außen wurde an der Kathedrale gebaut, das schränkte den Blick leider ein bisschen ein. Beeindruckend war das Bauwerk trotzdem, mit all den Türmen und Ecken und innen natürlich mit dem großartigen Kirchenschiff.

Wir sind auch hier wieder dem heiligen Thomas Becket begegnet, der in der Kirche von Canterbury ermordet wurde. Im Auftrag König Heinrichs - oder auch nicht, das wird nun keiner mehr klären können. ;)



Canterbury und Dover sind jedenfalls beides Sehenswürdigkeiten in England, die man mal gesehen haben sollte. Mehr brauchten wir für den Tag dann auch nicht. Wir waren ziemlich platt, als wir in London zurückwaren und sind mit einem Sandwich im Hotel geblieben – auch weil Fußball-WM war und England spielte. Da haben wir uns nicht so richtig rausgetraut…

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historisch
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3. Aug 2018

feder

Kew Garden

Ich wollte schon lange mal Kew Garden anschauen – aber bisher war entweder keine Zeit oder kein passendes Wetter oder nicht die passende Jahreszeit. Jetzt war ja aber Sommer, also haben wir dieses Wunschziel gleich am ersten richtigen Londontag in Angriff genommen. Wir haben uns dabei ein bisschen von Hitze und Sonne in die Irre führen lassen – so warm war es nämlich gar nicht, wir fröstelten unterwegs tatsächlich etwas.

Kew Gardens – eigentlich Royal Botanic Gardens, Kew – gehört zu den ältesten botanische Gärten der Welt, auch zu den größten und bekanntesten. Ihre Geschichte geht zurück bis ins 17. Jahrhundert, wo sie zunächst als exotische Gärten und als Lustgärten dienten. Sie wurden von Prinzessin Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg, der Witwe Friedrich Ludwigs, des Prinzen von Wales, deutlich erweitert, ab 1759 dienten sie zum ersten Mal auch als botanischer Garten. Von Kew Garden wurden viele botanische Expeditionen veranlasst, die seltene Pflanzen nach Europa brachten. Unter soll auch unsere Pillnitzer Kamelie aus Kew Garden stammen, damals eine von vier Pflanzen, die überhaupt nach Europa kamen. Im 18. Und 20. Jahrhundert wurden die Gärten erweitert; seit 2003 sind sie Teil des UNESCO Weltkulturerbes.



Wir waren recht früh, es strömten aber schon ziemlich viele Menschen zu den Gärten. Das hat sich aber recht schnell auf dem großen Gelände verteilt. Wir standen dem auch etwas ratlos gegenüber, haben uns dann aber entschieden, erst mal den Baumwipfelpfad zu erklimmen.



Das geht ziemlich weit hoch und bietet eine schöne Aussicht. Angesichts der Lochplatten der Treppen und Plattformen sollte man aber besser schwindelfrei sein. ;)

Wir haben uns natürlich auch die beiden großen viktorianischen Gewächshäuser angeschaut – Palm House und Temperate House – die einerseits faszinierende Bauwerke sind, andererseits auch eine exotische Fülle von Pflanzen bieten.



Es war da drinnen freilich auch sehr warm und feucht-warm, das wir es nicht ganz so lange drin ausgehalten haben.



Aber hübsch.

Neueren Datums ist das Princess of Wales Conservatory, das 1987 von Prinzessin Diana eröffnet wurde. Den Namen trägt es jedoch in Gedenken an eine andere Princess of Wales, die schon erwähnte Gartenbegründerin Prinzessin Augusta.

Wir sind allerdings nicht von Gewächshaus zu Gewächshaus geeilt. Wir haben schon ordentlich was vom Außengelände abgelaufen, das in alle Richtungen hübsche Ausblicke bietet. Es ist ein riesiger Landschaftsgarten mit See und Mammutbaumallee und Rhododendrongarten, mit Lilienteich, japanischem Garten, Steingarten. Und vieles mehr, was man vermutlich deutlich strukturierter angehen muss als wir. ;) Wir haben jedenfalls ziemlich lange gebraucht, Queen Charlottes Cottage zu finden.



Einfacher zu finden war die chinesische Pagode, die 1762 errichtet und eben wieder frisch saniert eröffnet wurde. Die Ziegelstein-Pagode ist knapp 50 Meter hoch und mit unzähligen Drachen geschmückt.



Vermutlich zum Anlass der Wiedereröffnung (zwei oder drei Tage nachdem wie da waren), hatten sie im Garten auch eine Drachenausstellung. Kinder konnten Drachen malen, die ausgestellt wurden. Und fünf oder sechs Drachenfiguren nach künstlerischen Entwürfen waren auf dem Gelände verteilt. Konnte man ein lustiges Suchspiel draus machen. ;)

Ebenfalls asiatisch ist das Tor des kaiserlichen Gesandte, ein verkleinerter Nachbau eines Tempels/Palastes in Kyoto. Es wurde 1910 für die japanisch-britische Ausstellung in London gebaut und danach abmontiert und im botanischen Garten wieder aufgestellt.



Das ist alles handgeschnitzt, zeigt Blumen und Tiere und eine chinesische Legende. Wir haben die Qilins (chinesische Einhörner) erkannt. ;) Ringsum gibt es auch noch einen hübschen japanischen Steingarten, den wir allerdings nicht sooo intensiv angeguckt haben.

Passend zum Thema Fabelwesen: Vor dem Palm House stehen „the Queen‘s Beasts“ – zehn Statuen von Wappentieren der Königin, die ursprünglich für ihre Krönung 1953 geschaffen wurden. Die Figuren jetzt sind aber neuere Nachbildungen.



Die zehn Wappentiere sind: der Löwe von England, der Greif des Königs Eduard III., der Falke des Haus Plantagenet, der schwarze Bulle von Clarence, der weiße Löwe von Mortimer, das Yale von Beaufort, der weiße Greyhound von Richmond, der rote Drache von Wales, das Einhorn von Schottland und das weiße Pferd von Hannover. Wir lernen, das Yale ist ein goldgetupftes ziegenartiges Fabelwesen, das seine Hörner in alle Richtungen drehen kann, und für das es keine eigene deutsche Bezeichnung gibt.

Königlich geht es weiter mit Kew Palace:



Das Haus wurde vor allem von König George III. und seiner Familie genutzt. In den Jahren seiner Krankheit hat George viel Zeit in der Abgeschiedenheit von Kew Palace verbracht.



Das Gebäude macht gar nicht mal so einen palastähnlichen Eindruck. Es ist aber hübsch restauriert und ausgestattet, so dass man einen Einblick in das Leben von George und seiner Familie gewinnen kann. Es war eine große Familie, George und Charlotte hatten viele Kinder, auch darüber erfährt man im Palast ein bisschen. Hat uns sehr gut gefallen, auch das vor und im Gebäude gewandete Leute herumliefen und Fragen beantworteten. :)

Nach all der Geschichte gab es noch moderne Kunst:



Was da so aussieht wie eine metallene Wolke ist „The Hive“, ein Kunstwerk, das auf vielfältige sensorische Weise mit dem Leben der Bienen vertraut machen soll. Es erinnert an einen Schwarm Bienen, es summt und vibriert und erzeugt Farben, die auf die Bewegungen der Bienen in den benachbarten Bienenstöcken abgestimmt sind. Das war modern, aber weniger seltsam als erwartet. ;)

Es hätte in Kew Gardens sicher noch viel mehr zum Anschauen gegeben. Auch der Ortsteil um den Garten ringsum macht einen charmanten viktorianischen Eindruck. Für uns hat das aber erst mal gereicht. Wir sind in die Stadt zurückgefahren, haben uns ein bisschen ausgeruht, was gegessen (im Weatherspoons „The Angel“ hatte ich Hühnchen) – und dann haben wir uns einen Swing-Kurs angeguckt, der um die Ecke angeboten wurde. Es waren überraschend viele Leute (ausnahmsweise mal Follower-Mangel). Wir haben einen Crash-Kurs Charleston bekommen, was viel Spaß gemacht hat, in der Hitze der Stadt aber auch sehr anstrengend war. Aber Charleston in London!

Stimmung:
erschöpft
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2. Aug 2018

feder

London

Unser Flug von der Isle of Man nach London ging am frühen Vormittag, das war recht entspannt, um in der großen Stadt anzukommen. Nach der Insel war das allerdings auch erst mal ein Kulturschock: so viele Leute! Und solche Hitze! In der Stadt zwischen all dem Beton ist das ja noch mal anstrengender als in der Natur, wo doch mal ein Lüftchen weht…

Wir haben in London im Travellodge King’s Cross gewohnt – das war auch ein bisschen Kulturschock nach unserem geradezu luxuriösen B&B, aber im Grunde keine schlechte Unterkunft. Es ist zwar eng und ohne Klimaanlage, aber es ist zentral und praktisch. Ohnehin war der Weg mit dem Koffer der anstrengendste, alles andere ging dann doch ganz gut.

Wir waren ein bisschen in der Stadt unterwegs. Bei Foyles Bücher gucken, wie sich das gehört. Was essen (Fish & Chips) und am Abend dann ein obskures Musical angucken, was Silph hier sehr ausführlich beschrieben hat. Knights of the Rose. Ich bin vermutlich weniger anspruchsvoll, was Musical und Theater angeht, ich hab mich gut unterhalten – auch wenn manches vielleicht eher unfreiwillig komisch war. Die Musik war gut, die Schauspieler auch – nur die Klimaanlage im Theater war zu kalt. Draußen war Sommerhitze und wir wurden da schockgefrostet…

Stimmung:
Theater
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31. Jul 2018

feder

Manx Museum

Der Sonntag war unser letzter Tag auf der Isle of Man. Viel hatten wir da nicht mehr vor; wir sind nur noch mal nach Douglas gefahren, um noch das Manx Museum anzuschauen.

Vorher sind wir noch mal in der näheren Umgebung herumgekurvt, um das Wasserreservoir oberhalb des Ortes anzugucken. Ein gar nicht mal so kleines Gewässer mit hübschem Wald ringsum:



Da kann man bestimmt auch nett wandern gehen. Wir wollten nur gucken. Man sieht auch hier, dass es ziemlich lange, ziemlich heiß auf der Insel war, ich nehme an, sonst ist der Wasserstand deutlich höher.

Auf dem Weg nach Douglas rein haben wir noch mal an der Old Kirk Braddan angehalten, deren Friedhof wir schon mal bewundert haben. Jetzt war auch das Kirchlein selbst offen. Wir konnten uns das Bauwerk anschauen und auch die keltischen Kreuze, die im Innenraum stehen. Sie haben immerhin 12 Kreuze, die teils keltischen, teils skandinavischen Ursprungs sind, einige haben Runeninschriften.



Dann das Manx Museum in Douglas. Das ist ein hübscher Jugendstilbau von 1922, in dem viele spannende und wissenswerte Sachen zusammengetragen wurden.



Zur Einführung gab es erst mal einen Film. Sie empfehlen den auch als Einstieg für die Insel – für uns an unserem letzten Tag war es aber auch eine schöne Zusammenfassung. Konnten wir Dinge, die wir schon gesehen haben, wiedererkennen und uns freuen.

Im Weiteren gab es Ausstellungen zur Natur der Insel, zu Geologie, Flora und Fauna. Ausführliche Ausstellungen gab es auch zur Geschichte, beginnend bei den ersten steinzeitlichen Besiedlungen, weiter mit den Wikingern und ihrem Einfluss (Tynwald!) und schließlich die neuere Geschichte mit Landwirtschaft, Fischfang und Bergbau, dem Weltkrieg mit seinen Internierungslagern, TT-Geschichte und touristische Blütezeit im 19. und 20. Jahrhundert.



Das war alles sehr anschaulich aufbereitet und informativ. Die Nationalgalerie der Isle of Man haben wir uns eher flüchtig angeschaut – da gab es aber auch eher akustische Unterhaltung. Ein junger Mann vom Personal, den wir eigentlich in Grove House in Ramsay gesehen hatten, nutzte die Nationalgalerie, um zur Gitarre selbstgeschriebene Lieder vorzutragen. Das macht er wohl immer mal am Sonntag, ich weiß nicht, ob er dazu im Dienst ist oder nicht. Es war jedenfalls nett und unterhaltsam. So viel Musikalität und Bühnentauglichkeit hätte ich ihm gar nicht zugetraut. ;)

Das Manx Museum sollte man durchaus besuchen, wenn man auf der Insel ist – zumal es keinen Eintritt kostet. :)

Mit dem Museumsbesuch und etwas Bummelei haben wir den haben Tag gut verbracht, bis es Zeit war für unseren bestellten Afternoon Tea. Wir haben uns das ganz klassisch englisch vorgestellt und bis auf die Etagere war es das auch. Es gab reichlich Sandwiches, klassisch mit Eiersalat, mit Frischkäse und Gurke, mit Coronation Chicken und … noch eine Sorte? Thunfisch? Dann Scones mit Clotted Cream und Marmelade und dann noch drei oder vier Sorten Kuchen. Das war sehr reichlich und sehr lecker. Wir haben uns da in Ruhe durchgefuttert und haben danach nicht mal mehr ein Abendessen gebraucht. ;)

Einen Steinkreis gab es aber noch. ;) Wobei das auch wieder Ruinen verschiedener Bauwerke waren und nicht wirklich ein Kreis:



Balladoole Historic Monument Site. Hier gibt es einerseits eine Schiffsbegräbnisstätte der Wikinger aus dem 10. Jahrhundert, dann ein Keeill aus dem 9./10. Jahrhundert (man erinnere sich: Keeill ist eine frühchristliche Kapelle) und eine bronzezeitliche Grabanlage etwa vom 1000 vor Chr. Viel zu sehen (oder auch nicht zu sehen) und das auch noch mit schöner Aussicht auf die Küste.



Das ist die südliche Ecke der Insel bei Castletown, wieder an winzigen Sträßlein, bei denen man hofft, keinem Gegenverkehr zu begegnen. ;) Sehr hübsch aber, der kleine Umweg hat sich noch mal gelohnt.

Und damit war dann auch die Zeit auf der Insel für uns schon fast abgelaufen, am nächsten Morgen ging unser Flug nach London. Am Morgen klärte sich dann auch, warum ich im Quartier immer niesen musste. Das lag mitnichten an Sommerschnupfen oder Klimaanlagenwechselgefühlen: Tiger, die schwarze Katze des B&Bs kam übers gekippte Fenster und das Kopfkissen (!) in unser Zimmer. Hatschi!

Die Isle of Man ist ein wirklich lohnendes Reiseziel, das trotz überschaubarer Größe viel Abwechslung und viele Sehenswürdigkeiten bietet. Viel Historisches, das ist ja nach unserem Geschmack, man hätte die Woche sicherlich auch allein mit der Suche nach alten Steinen füllen können. ;) Auch unser Quartier würde ich uneingeschränkt empfehlen, gegebenenfalls müsste man sich halt mit den Katzenhaaren arrangieren. ;)

Stimmung:
weiterziehen
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30. Jul 2018

feder

Wandertag

Wir hatten die Sehenswürdigkeiten, die uns interessierten, inzwischen alle angeschaut, da blieb noch Zeit für ein bisschen Kür.

Begonnen haben wir den Tag mit einer Wanderung im Dhoon Glen, einem Tal im Osten der Insel, das zum Meer hinabführt. Es geht ziemlich steil abwärts, immer am Wasser entlang. Wunderbare Bäume säumen den Weg, so dass man sich schon ein bisschen wie im Märchenwald fühlen kann. Bäume, Wasser, Wasserfälle.



Aufgrund der anhaltenden Hochsommertemperaturen war das Wasser vermutlich etwas spärlicher als sonst – aber es reichte noch für Wasserfälle.



Zum Meer hin öffnet sich das Dhoon Glen in eine sehr malerische Bucht. Schieferberge umrahmen den Kiesstrand, da kann man Geologie ganz anschaulich studieren.



Der Blick geht Richtung England, aber Manannan hatte wieder seinen Mantel über die Insel gebreitet und den Fernblick verhüllt. Wir konnten sogar den Saum seines Wolkenmantels sehen, der dramatisch in den Klippen hing.



Wir sind auf der anderen Seite der Bucht wieder hinaufgestiegen – im Sonnenschein – mit Blick auf die anbrandenden Wolken. Sehr malerisch. :)

In der Sonne war der Aufstieg dann zwar anstrengend, trotzdem war die Strecke weniger steil, also vermutlich die bessere Wahl, als im Tal selbst wieder hochzuklettern. Insgesamt war es wohl eine Strecke von 5 Meilen, ein gemütlicher Spaziergang und ein wirklich schönes Tal. Märchenwald. :)

Weiter ging es über kleine und winzigkleine Straßen wieder auf die Suche nach alten Steinmonumenten:



Cashtal yn Ard bei Maughold. Eine Grabanlage von etwa 3000 v. Christus.

Auch Maughold haben wir uns angeschaut, weil sie keltische Kreuze in/bei der Kirche haben (und wieder ein Flower Festival).



Nur die Straße zum Leuchtturm haben wir nicht gefunden. Auf Google Map kann ich mir die jetzt ansehen – und wundere mich nicht, dass wir die schmale Einfahrt nicht für voll genommen haben. *g*

Nach all der Natur sollte es dann doch noch was Zivilisierteres sein: wir haben uns auch Ramsey noch angeguckt, den Ort, durch den wir zuvor nur durchgefahren sind. Ramsay machte allerdings einen eher verschlafenen Eindruck. Wir sind lange, lange am Strand entlanggelaufen, haben aber immerhin die Drehbrücke gesehen.



Nach einem Päuschen in unserem Quartier – muss ja nicht immer volles Programm sein – waren wir noch mal in Douglas im British essen. Das war ein WM-Tag, an dem England spielte, so war uns nicht ganz wohl, uns in Zivilisation zu begeben. Aber der Trubel spielte sich vor einzelnen Kneipen ab und konnte das gut umgehen. Wir haben also gut gegessen (für mich gab es noch mal Pie) und wir haben für Sonntag klassischen englischen Afternoon Tea bestellt. *g*

Stimmung:
im Wald
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29. Jul 2018

feder

Laxey, Snaefell & The Braaid

Für diesen Tag hatten wir uns einen Ausflug in die Industriegeschichte der Isle of Man vorgenommen. Wir sind dazu nach Laxey gefahren, einem kleinen Örtchen im Osten der Insel. In der Gegend wurde lange Bergbau betrieben, es gab Blei- und Zinnminen und die dazugehörige Infrastruktur mit Halden, Fabriken, Erzwaschplätzen. Heute gibt es noch das Great Laxey Wheel, das der Entwässerung der Minen diente.



Dieses beeindruckende Wasserrad wurde 1854 errichtet und nach der Frau des damaligen Gouverneurs „Lady Isabella“ benannt. Schon damals war sie auch Touristenattraktion und sollte auch Eindruck machen. Rund 22 Meter misst das Rad im Durchmesser, damit ist es das größte Wasserrad Europas. Beeindruckend auch das lange Viadukt, auf dem eine sehr lange… äh… Stange die Drehbewegung des Rades weiterleitet.



Als wir am Freitag kurz nach Öffnungszeit am Eingang standen, stand das Rad still. Wir haben erfahren, dass freitags immer Servicetechniker da sind, um das Rad zu warten. Das war für uns natürlich super. Wir konnten das Rad angucken, als es stand und gleich noch zugucken, was die Techniker taten. Und wir konnten beobachten, wie das Wasser wieder lief und sich das Rad in Bewegung setzte. Da wird einem doch was geboten! :)

Wir haben die Anlage zweimal erklettert, wir sind dem Bergbaupfad ein Stück gefolgt und haben ein Stück in die Mine geschaut. Wir haben gestaunt, wie wenig Wasser es bedurfte, um das Rad in Bewegung zu setzen und zu halten. Das ist schon sehr beeindruckend von der Maschine, die bis 1929 hier gearbeitet hat. :)

Zurück im Ort beeilten wir uns dann, ein Zugticket zu bekommen. Laxey ist ein Verkehrsknotenpunkt historischer Eisenbahnen. Es liegt an der Manx Electric Railway, die von der Hauptstadt Douglas nach Ramsey führt. Und hier startet die Sneafell Mountain Railway, die auf den höchsten Berg der Insel führt.



Wir wollten auf den Berg. Die Bahn ist ebenso historisch wie die Lady Isabella. 1895 wurde sie gegründet. Seit dem erklimmt sie tapfer die Hänge des Sneafell mit Steigungen bis zu 12 %. Die Strecke ist 5 Meilen (8 km) lang. Es gibt eine Haltestelle an der TT-Strecke, die besonders bei Wanderern beliebt ist, die einen Rest des Aufstieges selbst bewältigen wollen.



Das mit der Adhäsions-Technik und der dritten Schiene hab ich nicht verstanden – ich lerne jetzt allerdings, dass die Bahn Teile ausgemusterter Aachener Straßenbahnen nutzt. Das ist spaßig.

Der Weg hinauf bot – mit Erklärungen vom Band – noch mal einen schönen Blick auf Lady Isabella und das Tal von Laxey, dann natürlich auf die Hügellandschaft und noch mehr Bergbaulandschaft und auf den TT-Kurs. Oben an der Bergstation angekommen, ist es nicht mehr weit bis zum Gipfel des Sneafell. 621 Meter ist der Berg hoch und bietet Aussicht auf die ganze Insel, auf Schottland, England, Wales und Irland. – Oder auch nicht, weil wir einen wolkigen Tag erwischt haben und quasi gar nichts sahen was sich außerhalb der Insel befand. Das war nach dem strahlenden Sonnenschein der letzten Tage ein bisschen Pech, aber nicht schlimm.



Wir haben uns umgeguckt, sind aber gleich bei nächster Gelegenheit wieder zurückgefahren. In Laxey haben wir uns dann noch ein zweites großes Wasserrad angeschaut: Lady Evelyn, das seit einigen Jahren wieder am alten Platz steht.



Wir waren in der alten Wollmühle von Laxey, haben da ganz klassisch Tee und Kuchen verspeist. Auch das Kirchlein haben wir uns angeschaut, wo wieder – Überraschung! – Flower Festival war. Die Damen da waren wieder sehr freundlich und einladend, da hatte man vor lauter Liebenswürdigkeit kaum Zeit, das Bauwerk anzuschauen. ;) Kaffee, Tee und Kuchen hätte es da auch gegeben.

Danach haben wir uns wieder auf die Suche nach alten Steinen gemacht. in Laxey befindet sich King Orry’s Grave, die größte Megalithanlage der Insel. Groß ist sie, ein Schild gibt es auch, wir sind trotzdem erst mal in der falschen Richtung unterwegs gewesen… wir hatten aber auch nicht erwartet, dass sich die Steine im Garten normaler Häuser befinden.



Die Anlage befindet sich auf beiden Seiten der Straße – oder andersrum, die Straße geht mittendurch. Da ist es natürlich schwierig, sich einen ursprünglichen Gesamteindruck vorzustellen. King Orry ist jedenfalls eine historische Figur. Er war König Godred Weißhand, der im Jahr 1079 das „Kingdom of Man and the Isles“ übernahm, Man und schottischen Hebriden. Dass das nun sein tatsächliches Grab ist, mag bezweifelt werden, auch ob es sich überhaupt um eine Grabanlage handelte.

Für den Nachmittag hatten wir dann ein Date. Wir waren mit einer Twitterbekanntschaft verabredet und haben sehr nett geplaudert. :) Danke noch mal für die Einladung!

Auf dem Rückweg nach Süden haben wir gleich an der Strecke in Crosby gegessen (ich hatte sehr leckere Nudeln), dann haben wir gleich noch einen Steinkreis gesucht. The Braaid:



Dabei ist das gar kein Steinkreis. Das sind die Reste eines Rundhauses und zweier Langhäuser aus der Eisen- und/oder Wikingerzeit. Die Gebäudereste weisen beachtliche Dimensionen auf: das Rundhaus hatte einen Durchmesser von reichlich 16 m, die Langhäuser waren 20m bzw. 18 m lang.



Das ist unsere Lieblingssteinmonument der Insel. Der Ort alleine ist schon toll mit der weiten Aussicht über das Hügelland. Die Steine sind toll, alte stehende Steine und dazwischen immer mal ein leuchtend weißer Quarzbrocken. Und auch die Wiese war toll mit blühenden Sommergewächsen im Abendlicht. Sehr idyllisch und friedlich. Ein Lieblingsplatz. :)

Stimmung:
unterwegs unterwegs
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26. Jul 2018

feder

Tynwald Day

Ich erwähnte ja schon, dass die Isle of Man ein Parlament mit langer Geschichte hat. Das Parlament – der Tynwald – ist seit dem Jahr 979 sogar das älteste, durchgehend funktionierende Parlament der Welt. Der isländische Thing ist zwar noch älter, hatte zwischendurch aber Unterbrechungen. Zurück geht die Tradition auf die Wikinger, die gar nicht nur die hörnerhelmtragenden Wilden waren, sondern auch Händler und Diplomanten.

Einmal im Jahr wird der Tynwald gefeiert – am 5. Juli, dem Tynwald day, dem Nationalfeiertag der Isle of Man. Es hat sich eher zufällig ergeben, dass der Tag in unserer Urlaubszeit lag. Aber wenn schon, denn schon, da mussten wir uns das natürlich angucken. Spaßigerweise hatte unser B&B-Vermieter am Morgen noch erklärt, dass er selbst da noch nie war, obwohl er doch Einheimischer ist.

Gefeiert wird am Tynwald Hill, einem stufigen Hügel in St. John’s in der Mitte der Insel. Man kann sich vorstellen, das die Feierlichkeit bei so langer Tradition sehr formell und traditionell ist. Für uns war das sehr spannend und unterhaltsam und interessant. Kalt leider auch, weil nach Tagen des Hochsommers ausgerechnet am Feiertag Manannan seinen Mantel über die Insel breitete. Und im Kleidchen war es dann doch arg frisch…



Der Hügel war abgesperrt. Als wir kamen wurde eben der Weg vorbereitet, den die Honoratioren von der Kirche zum Hügel ziehen. Dazu wurden Binsen auf dem Weg verstreut – sowas kenne ich nur aus Märchen, Binsenstreu in Hütten. Außerdem trugen alle Offiziellen ein Sträußchen Beifuß am Revers.



Ich weiß, Beifuß ist eine Pflanze, die mystisch stark mit Mittsommer und Sonnenwende verbunden ist, aber das hat mich trotzdem erstaunt. Aber ein frohes Erstaunen, ich mag es, wenn solche altertümlichen Rituale in die Gegenwart übernommen werden.

Wir haben uns erst mal den Festplatz angeguckt und die Stände, die ringsum aufgebaut waren. Wir haben Postkarten geschenkt und völlig ahnungslos an einem Ortsrätsel teilgenommen, bis wir uns schließlich einen guten Platz an der Begrenzung des Festplatzes sicherten, mit bestem Blick auf den binsenbestreuten Weg. Da konnten wir erst die Volkstanztruppe beobachten, dann wie diverses Militär Aufstellung nahm fürs Ehrengeleit. Solch militärisches Gehabe sieht man bei uns ja eher selten. Kadetten von Marine und… äh… irgendwas anderem… haben Aufstellung genommen, wurden ausgerichtet. Das ging so zu, wie man sich das klischeehaft vorstellte mit bärbeißigen Veteran der die Jungs und Mädels anweist, ordentlich dazustehen und das Hemd reinzustecken. Dann aber auch ganz und gar nicht klischeehaft, weil die Vorgesetzten auch herumschlichen und den Jugendlichen Traubenzucker zusteckten und sorglich darauf achteten, dass keiner umkippte. Das ist trotzdem passiert – die Disziplin musste nur immer so weit reichen, dass sie bei nahender Schwäche auf ein Knie gingen und warteten, bis ein Sani sie rausfischte. Spannende Sache. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das mit Umkippen gewesen wäre, wenn da die Sonne draufgeknallt wäre – zumindest dafür waren also die frischen Temperaturen ganz gut.

Wir haben den Einzug wichtiger Leute beobachtet. Das war zunächst der Vizegouverneur der Isle of Man, der der Vertreter der britischen Königin ist. Es kamen Militärmusikkorps, es wurden Kränze niedergelegt und Kriegsopfern gedacht. Es gab auch einen Überflug der Luftwaffe von Wales aus – die waren sehr pünktlich, man hat sie ob der Wolkenschicht aber nur gehört und nicht gesehen. Gleichzeitig fand in der Kirche ein Gottesdienst mit den Mitgliedern des Parlamentes statt. Deren Einzug zum Hügel haben wir dann aber nicht mehr abgewartet, weil uns zu kalt geworden war. Wir haben also nicht zuhört, wie die Gesetzesentwürfe des letzten Jahres öffentlich verlesen wurden, um Gültigkeit zu erlangen. Wir haben auch nicht aufgepasst, ob Bürger ihre Anliegen vorbringen, wozu sie an dem Tag Gelegenheit haben.

Wir haben Audrey einen Besuch abgestattet:



Vintage mobile Cinema – In den 60iger und 70iger Jahren gab es in Großbritannien eine kleine Flotte mobile Kinos, die der Volksbildung und Unterhaltung dienen sollten. Nachdem das Programm eingestellt wurde, fanden die meisten der Fahrzeuge andere Verwendung. Dieser Bus konnte aber wieder aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden und fährt jetzt wieder übers Land. Auf Festivals und bei Feierlichkeiten kann man Audrey antreffen. Gezeigt werden kurze historische Filmchen zum Bus und seiner Geschichte, aber immer auch historische Filmchen zum jeweiligen Standort. Wir haben also historisches Filmmaterial über die Isle of Man gesehen, vor allem über den Tourismus in den 50iger und 60iger Jahren. Das Ganze ist kostenlos, nur um eine kleine Spende wird gebeten. Das ist wirklich charmant – und drinnen waren wir windgeschützt und konnten uns aufwärmen.

Wir hatten dann nicht mehr so richtig Lust, uns noch mal ins Festtagsgetümmel zu stürzen. Wir haben uns noch das Wikingerdorf angeschaut, dann aber zugesehen, dass wir durch Parkplatzchaos und gesperrte Straßen wieder weg kommen. Wir haben uns in wärmere Sachen gehüllt – auch wenn es außerhalb von St. John’s nicht so bewölkt und damit wärmer war.

Weil Feiertag war mussten wir uns für das Nachmittagsprogramm dann was suchen, was nicht geschlossen war. Wir haben uns für das Grove House Museum in Ramsey entschieden. Das ist im Osten der Insel, so dass wir erst mal wieder ein Stück über den TT-Kurs gekurvt sind.



Grove House ist ein Anwesen, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Es wurde Ende 19. Jahrhundert von einem vermögenden Mann als Familiensitz gebaut und ausgestattet. Dessen Enkelinnen, die Schwestern Gibb, lebten hier bis ins hohe Alter genau in den Rahmen, den sie übernommen hatten. Sie waren als junge Mädchen ins Haus des Großvaters gekommen. Als der starb, hatte die Großmutter die Oberhoheit, später deren Schwester und dann die Töchter und Enkelinnen. Ein kleines Matriarchat, das auch in finanziell schlechteren Jahren ihr hübsches kleines Reich zusammenhielt.



Ich mag Häuser, die aussehen, als sei der Bewohner nur eben weggegangen. Häuser, in denen die Zeit stehengeblieben ist. Dazu kommt, dass es bei Grove House wirklich sehr freundliches Personal gab, das uns herumgeführt hat und Details zu den Zimmern erzählte und über die Lebensgeschichte der Familie. Drei Leute, die die Zimmer hüteten und alle drei gleichermaßen auskunftsfreudig und freundlich waren.

Auch außerhalb des Hauses gab es noch ein bisschen was zu sehen, ein paar Landwirtschaftsgeräte, alte Kutschen, den Garten und ein bisschen Farmgetier, vierhörnige Manx-Schafe und Wassergeflügel. :) Man könnte auch im Wintergarten Tee trinken, aber wir haben uns erst mal an unsere eigenen Keksvorräte gehalten. Auf jeden Fall ein lohnendes Ziel!

Mehr von Ramsey haben wir erst mal nicht angeschaut – wir sind wieder raus aus dem Ort, ganz nach Norden um den Leuchtturm am Ende der Insel anzuschauen. Ganz im Norden den Point of Ayre.



Der Leuchtturm ist der älteste der Isle of Man. Man kann leider nicht ran – aber man kann an den Schotterstrand, der dem Ort auch den Namen gab (nordisch: Eyrr – Schotterstrand/Kiesstrand). Schotter gab‘s genug, man konnte nur nicht überall drauf, weil da die Vögel brüten und deswegen geschützt sind.



Schottland ist nicht weit, es sind nur 26 km bis dahin. Wir hatten gute Sicht und konnten die schottischen Hügel gut sehen. Eine hübsche Ecke, die zur Ginsterblüte bestimmt noch mal toller aussieht.

Auf dem Weg zum Essen haben wir am Abend noch mal an einem hübschen Friedhof Halt gemacht – Friedhöfe sind ja immer spannend. Der liegt direkt neben einer TT-Tribüne am Hang und war im Abendlicht besonders malerisch:



Wir sind dann nur noch Essen gewesen, noch mal im Horse & Plough, wo sie tatsächlich Silphs Tuch gefunden hatten. Gegessen habe ich einen leckeren Ale Pie.

Stimmung:
historisch

24. Jul 2018

feder

Peel und Meer

Mittwoch. Wir sind nach Peel aufgebrochen, einem Städchen im Westen der Isle of Man. Auf dem Weg dahin sind wir schon mal durch St. John’s gefahren und konnten schon mal einen Blick auf den Tynwald Hill werfen – das sollte aber erst am nächsten Tag spannend werden. ;)

Peel ist ein Städtchen mit nicht mal 4000 Einwohnern. Es wird beherrscht von der Ruine von Peel Castle, das sich auf der vorgelagerten St. Patricks-Insel befindet.



Eigentlich ist es eine Festungsanlage, nicht unbedingt eine Burg. Im 11. Jahrhundert haben die Wikinger hier ihre Befestigung gebaut – vorher gab es aber schon ein Kirchlein der keltischen Christen und noch vorher prähistorische Siedlungen. Davon gibt es nicht wirklich Spuren – nur die Kaninchen, die es massenhaft auf dem Gelände gibt, buddeln immer mal ein paar Scherben aus. Das ist natürlich auch eine Art Archäologie. *g*



Wir haben am Eingang einen Audio-Guide bekommen, der uns Informationen zu den einzelnen Bereichen der Anlage vermittelte. Unser Guide war dabei Manannan, der Meeresgott persönlich, was es nicht nur informativ sondern auch unterhaltsam machte. Und so haben wir was über die unterschiedlichen Befestigungswälle gelernt, über die Kirche und ihre Gräber, über den Turm und auch über den schwarzen Geisterhund Mauthe Doog.



Aussicht gab es natürlich auch, die Bucht mit dem Örtchen ist schon sehr malerisch. :)

Aber Peel hat noch mehr an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Da ist zum einen die Kathedrale, in der gerade (wie gefühlt überall auf der Insel) ein Flower Festival stattfand, zum anderen das Haus des Manannan. Das ist ein Museum, in dem die Inselgeschichte von der Frühzeit über die Wikinger bis hin zur Gegenwart sehr anschaulich darstellt wird. Auch hier war Manannan sebst unser Führer – der sich über die Jahrhunderte veränderte und in immer neuer Gestalt wieder auftauchte. Das war sehr spaßig.



Aber auch so war das Museum interessant und spannend. Es gab ein nachgebautes keltisches Rundhaus, eine Hafenstraße im 18./19. Jahrhundert mit vielen Geschichten von Seefahrern und Abenteurern, Dorfgeschichten und Sprachgeschichten. Außerdem haben sie „Odins Raben“, den Nachbau eines hölzernen Wikingerschiffes, mit dem ein Trupp Abenteurer in den 70iger Jahren von Norwegen aus zur Isle of Man segelte.



Thor Heyerdal läßt grüßen. ;)

Wir waren an der Stelle erst mal ganz schön vollgestopft mit Informationen. Wir haben auf dem Parkplatz noch flugs gepicknickt, sind dann entlang der Küste nach Norden gefahren. Nach all der Kultur konnten wir noch ein bisschen Natur vertragen.

Der erste Blick galt den Manx-Schafen, eine besondere alte Rasse mit vier Hörnern. Wir haben sie auf dem Friedhof von Kirk Michael das erste Mal aus der Nähe gesehen, was natürlich zwischen den Grabsteinen einen ganz besonderen Anblick bot:



Als nächstes suchten wir auf winzigen Sträßchen einen Parkplatz, um das Glen Mooar zu besuchen und den höchsten Wasserfall der Insel:



Spooyt Vane ist bei der Hitzewelle vermutlich auch ein bisschen dünner als üblich, aber trotzdem noch sehr hübsch. Auch das Tal ist sehr schön, sehr grün, golddurchwirkt vom Sonnenschein. Wir sind nicht das ganze Tal hinuntergewandert, nur bis zum Wasserfall. Und weil wir am Parkplatz einen netten Herrn getroffen haben, sind wir auf dessen Ratschlag oberhalb des Wassers noch ein Stück weitergegangen, um ein Keeill zu suchen. Das ist die gälische Bezeichnung für eine Kapelle, ein frühchristliches Bauwerk. Hier standen zwar nur noch Reste davon, aber wir gucken ja immer gerne alte Stellen voller Geschichte an.



Außerdem war der Wald hübsch – und wir haben da vermutlich ein Wallaby gesehen. Ja, genau Wallabys, australische Kängurus, von denen es seit den 70iger Jahren eine wilde Population auf der Insel gibt. Sie sind damals aus einem Wildpark ausgebrochen und fühlen sich wohl sehr wohl da. Wir haben das Tier nicht genau gesehen – schon gar nicht fotografieren können – aber es kann eigentlich nichts anderes sein. Von der Größe her etwas wie ein Reh mit der Fortbewegung eines Eichhörnchens. ;) Und es war auch die richtige Gegend. ;)

Für uns ging es dann weiter nach Norden. Ich wollte ins Meer, wenn wir schon mal da sind, und da bietet die Gegend ja einige Möglichkeiten. Wir haben bei Ballaugh einen hübschen Strand gefunden und da war ich dann im Wasser.



Das war gar nicht mal so kalt, da ließ es sich aushalten, nur der reichliche Seetang war ein bisschen störend. Aber es sollte ja eh kein stundenlanger Aufenthalt werden. Schön war es trotzdem in der Irischen See mit der blassen Silhouette von Irland am Horizont. :)

Blieb uns nur noch der Rückweg. Den haben wir über die Bergstraße genommen, ein Stück entlang der Motorradstrecke des TT. An Windy Corner haben wir kurz Rast gemacht und von oben in das Tal mit unserem Quartier geschaut. Und überhaupt in die Täler und Berge und Ausblicke über die Insel.



Sehr hübsch. :) Außerdem haben wir da oben auch unsere Mitbewohner des B&Bs getroffen, die an dem Tag mit den Fahrrädern die TT-Strecke bezwungen haben. Respekt!

Gegessen haben wir Braddan im Horse & Plough. Es gab einen Burger, an den ich keine weiteren Erinnerungen habe. Was aber nicht am Geschmack gelegen ahben kann, wir sind da nämlich noch mal hingegangen zum Essen. ;)

Stimmung:
sommerlich
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