Rabensturm (rabensturm) wrote,
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4. Tag – stehende Steine

Wir sind mit der Fähre wieder in Tingwall angekommen. Es war schon nach 18 Uhr – aber das wunderbar klare Sonnenwetter musste man doch noch nutzen. Also haben wir schon mal mit den Sehenswürdigkeiten West-Mainlands angefangen, die auch ohne Öffnungszeiten und Eintritt zu besichtigen sind. Hinzu kommt noch der unschlagbare Vorteil, dass man so einen ganzen großen Steinkreis für sich alleine hat. (Das ist ein Panoramabild - guckt euch das groß an! Klick auf Post-Titel :) )



Der Ring of Brodgar. Das ist für mich der schönste Steinkreis den ich kenne – zumal noch bei diesem wunderbar klaren Licht. Die Steine von Stonehenge mögen wuchtiger und kompakter wirken, trotzdem hat Stonehenge nicht diesen Eindruck auf mich gemacht. Um genau zu sein, empfand ich Stonehenge wie eine Theaterkulisse aus Pappmaschee. Einfach nicht echt. Vielleicht, weil man schon so viele Bilder gesehen hat – vielleicht auch nur, weil man an die Steine von Stonehenge nicht rankann.

Beim Ring of Brodgar kann man ran. Man kann den Kreis ablaufen und auch die Steine berühren. Es wird lediglich darum gebeten, nicht durch die Heide im Zentrum des Kreises zu latschen, was ja auch verständlich ist. Sonst wäre da wohl nicht mehr lange Heide.



Der Ring hat laut Wikipedia einen Durchmesser von 104 m und ist damit ist er größer als Stonehenge. Von den ursprünglich etwa 60 Steinen sind noch 27 erhalten. Er ist wahrscheinlich 2.700 v. Chr. entstanden, dicht neben anderen prähistorischen Monumenten, die heute das Heart of Neolithic Orkney bilden.

Der Ring liegt malerisch zwischen dem See Loch Stenness und dem Loch Harray, einem Meeresarm. Der Ring ist also wassergesäumt auf einer schmalen Landzunge. Im Hintergrund die Berge von Hoy, der Nachbarinsel, über uns nur der klare Himmel und hier – 5000 Jahre Menschheitsgeschichte. Das ist sehr beeindruckend und wirklich wunderschön.

Nur ein paar Meter vom Ring of Brodgar entfernt, befindet sich der Comet Stone, der sicherlich in einem rituellen/spirituellen Zusammenhang stand. Aber auch der Steinkreis von Stennes mit seinem monumentalen Watch Stone befinden sich in unmittelbarer Nähe.



Auch die Stennes Stones sind ein Steinkreis, da allerdings von den ursprünglich 12 Steinen nur noch 4 stehen, ist das nicht mehr so offensichtlich. Dafür wirkt er… dynamischer, weil er von jeder Seite einen neuen Blickwinkel bietet. Sehr hübsch mit den Schäfchen. ;)

Die Stennes Stones werden etwa au das Jahr 3100 vor Chr. datiert, sind damit noch mal fast 500 Jahre älter als der Ring of Brodgar. Mehr noch, sie zählen zu den ältesten Steinkreisen überhaupt, die in Britannien zu finden sind. Die Steine sind über 5 m hoch, was einmal mehr die Frage nach der Errichtung aufwirft. Die schöne Theorie mit den Hölzern, die als Rollen untergelegt werden, hilft auf den Orkneys jedenfalls nicht weiter. Schon vor 5000 Jahren war die Insel so gut wie baumlos…

1814 versuchte ein Bauer, die Steine zu zerstören, da ihn die Touristen nervten, die ständig über seine Felder trampelten und alles kaputtmachten. Er stürzte den Odin-Stein, der sich in der Nähe befand und vielleicht auch noch mehr. Gut, dass die Steine heute noch stehen. Und Überraschungen gibt es immer noch – es ist noch nicht so lange her, dass hinter den Steinen noch die Grundmauern eines weiteren Settlements ausgegraben wurden.



Die Barnhouse genannten Strukturen lassen deutlich den damaligen Lebensraum erahnen und bieten geradezu großzügigen Wohnraum.

Und dann ist da noch der Watch Stone:



Quasi gleich gegenüber von den Stennes Stones, nur auf der anderen Straßenseite. Der Stein ist bestimmt 6 m hoch und ebenfalls sehr beeindruckend. Am kürzesten Tag des Jahres soll man von hier aus sehen, wie die Sonne genau zwischen den beiden Hügeln von Hoy untergeht. Vergleichbare solare oder lunare Bezüge konnten bei den beiden Steinkreisen übrigens bisher nicht gefunden werden.

Und dann noch ein Cairn:



Es handelt sich dabei um eine Mischform von Kammergrabstrukturen – aber zu solchen Feinheiten sind unsere Kenntnisse nicht vorgedrungen. Wir kriechen nur rein und gucken uns um. ;) Archäologisch ist das Grab aber dadurch sehr wertvoll, auch durch die zahlreichen Funde, die sogar einer bestimmten Keramikart ihren Namen gab. Außerdem bemerkenswert, dass man von hier aus sowohl den Ring of Brodgar als auch Maes Howe sehen kann. Wirklich ein Platz im steinzeitlichen Herzen Orkneys.


Stimmung:
historisch
Tags: reisen
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