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wirbel

Kunst!

Ich habe mal wieder an einem Kunstkurs teilgenommen. Diesmal beim Riesa efau, einem Dresdner Kunst/Künstlerverein. Der Kurs nannte sich Radierung und Tiefdruck. Das hatte ich schon ein paar mal bei der Volkshochschule auf dem Plan gehabt, da kam es aber leider mangels Teilnehmern nie zustande. Diesmal also beim Verein direkt – und ja, wir haben gedruckt. :)

Wir waren fünf Teilnehmer, eine nette Runde sympathischer Menschen – und eine sehr künstlerische Runde, bei der ich mich mit meinem Gekritzel eher am unteren Ende einordnen möchte. ;) Aber das war ja kein Wettbewerb, es ging – zumindest mir – darum, Tiefdruckverfahren kennenzulernen und auszuprobieren.

Ich lernte zunächst, dass beim Tiefdruck im Gegensatz zum Hochdruck (z.B. Holz/Linolschnitt oder auch Kartoffeldruck) das schwarz wird, was man bearbeitet, das was stehenbleibt, bleibt weiß. Ich lernte außerdem den Unterschied zwischen Kaltnadelradierung und der Ätzradierung.

Kaltnadelradierung bedeutet, dass man die Zeichnung mit einer Nadel in die Druckplatte (wir hatten Zinkplatten) ritzt. Das ist mit etwas mehr Kraftaufwand verbunden, geht aber schneller.



Auf die (gereinigte) Platte mit der Ritzung kommt die Farbe, wird eingearbeitet und wieder abgestrichen und dann (mit angefeuchtetem Papier) durch die Druckerpresse gedreht. Je nachdem, wie viel oder wenig Farbe man um die Zeichnung herum stehenlässt, ergibt sich die Färbung der Umgebung bzw. des Hintergrundes.

Beim Ätzverfahren kommt erst eine Wachsschicht auf die Platte. Die Zeichnung erfolgt nun in diese Wachsschicht – das geht Leichter, wenn man nicht zwingend ins Metall hineinmuss, geht auch fließender, weil sich Kurven so einfacher ergeben. Die Platte mit der eingeritzten Zeichnung kommt dann ins Säurebad, wo das freigelegte Metall geätzt wird. Die Ritzung vertieft sich dadurch ins Material und kann dann wie gehabt gedruckt werden.



Ein weiteres Ätzverfahren ist Aquatinta, bei dem Flächen geätzt werden. Ich hab das hier mit den Flächen einer Kaltnadelradierung gemacht:



Das ist noch aufwendiger, weil die hellen Flächen erst mit Lack geschützt werden müssen. Dann kommt eine Schicht aus Kolophonium (oder Harz ode Asphalt), das eingebrannt werden muss. Im Säurebad ätzt es dann diese Flächen als Grauschattierungen. Man kann da auch wie beim Ostereierbemalen mehrere Ebenen färben, indem man immer die jeweils hellere abdeckt.

Bei allen Drucken kann man auch farbige Papiere mit einarbeiten – das nennt sich dann Chine-collé und ergibt sehr schöne Ergebnisse:



Das war alles spannend und hat viel Spaß gemacht. Ich hätte nicht gedacht, dass die einzelnen Drucke einer Druckplatte so unterschiedlich ausfallen. Das hat mir viel Spass gemacht, mit der Farbverteilung herumzuspielen oder mit farbigem Papier Akzente zu setzen. Ich mag den Prägeeffekt, den die Platte auf dem Papier hinterlässt und überhaupt den spannenden Moment, wenn man das Papier von der Druckplatte löst. Auch die Effekte des Aquatinta-Verfahrens mag ich, mit passenden Motiven kann man da sicher schöne Ergebnisse herstellen. Was die Motive angeht, war ich zugegebenermaßen etwas unvorbereitet, aber ich bin mit den meisten Ergebnissen zufrieden.



Die Birken mag ich beispielsweise sehr.

Ich finde nicht alle meiner Ergebnisse so gelungen – aber wie schon gesagt, es ging ja hauptsächlich um das Kennenlernen der Techniken und das zumindest ist gelungen. Für zu Hause ist das freilich kein Hobby, da es da ja an Druckerpresse und Chemikalien mangelt, aber der Kurs war sehr lohnend. Man kann beim Verein auch zu freien Werkstattzeiten kommen und dort weiterwerkeln. Das merke ich mir mal. :)

Man denkt da ja nicht immer gleich dran, wenn man was künstlerisches als Hobby ausübt – aber eine Kunstwerkstatt ist eine Werkstatt mit Werkzeugen, Maschinen, Chemikalien und Dreck. Das hat schon was, wenn man mal von seinem Basteltisch wegkommt in eine richtige Werkstatt.



Stimmung:
kunst

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