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Parlament und Ahoy Ball

Samstag, unser letzter Tag in London. :( Wir hatten aber noch mal viel Programm und mussten pünktlich sein.

Für den Vormittag hatten wir uns zu einer Führung in den Houses of Parliament angemeldet. Gleich zu Beginn der Öffnungszeiten, so dass wir uns schon erst mal draußen sammelten, bevor überhaupt die Tore geöffnet wurden. Man kann die Tickets gut online buchen, ab und an gibt es auch deutsche Führungen: Wir waren bei einer englischen dabei in der Hoffnung, da ein paar mehr Anekdoten zu hören. ;)



Das Parlamentsgebäude in seiner heutigen neugotischen Form wurde Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet. Es geht jedoch zurück auf einen mittelalterlichen Palast, der immer wieder den neuen Bedürfnissen angepasst wurde. Wobei der Neubau nicht aufgrund neuer Bedürfnisse erfolgte: ein großes Feuer hatte das Gebäude zerstört, weil man nach einer Steuerreform unbrauchbare Kerbhölzer im Innenhof verbrannt hatte. Wenn das nicht mal Ironie der Geschichte ist, dass ausgediente Steuerdinge zu einem Bauwerk auf Staatskosten führten…

Der älteste noch bestehende Teilbau des Palace of Westminster ist Westminster Hall. Sie entstand im Jahr 1097 als einer der bedeutendsten Hallenbauten Europas. Die Halle ist auch heute noch beeindruckend. Derzeit werden Teile restauriert, das mindert jedoch nicht den königlichen Eindruck. Die Halle war auch Schauplatz geschichtlicher Ereignisse, zuletzt war beispielsweise Queen Mum nach ihrem Tod hier öffentlich aufgebahrt.

Leider darf man innerhalb des Gebäudes nicht fotografieren, nicht die Halle, nicht die übrigens Räumlichkeiten. Das ist schade und macht das Erzählen nicht gerade einfacher...

Bekanntlich teilt sich das britische Parlament in zwei Kammern: das House of Lords und das House of Commons (Oberhaus und Unterhaus). Wir waren zuerst im House of Lords, was über die prächtigere Ausstattung verfügt. Viel Holz und viel Farbe (und ein Farbschema: rot für das House of Lords, grün für das House of Common). Natürlich atmet alles Geschichte und lebt von den alten Traditionen. Jedes Jahr eröffnet die Königin das Parlament – auch das nach althergebrachten Traditionen, die festschreiben, wer wann wohin geht, anklopft, Dinge tut. Das ist schon spannend und interessant, da leibhaftig zu stehen. Sehr mochte ich auch die großen arthurischen Gemälde, die die ritterlichen Tugenden veranschaulichen sollen.

Im House of Commons sieht es ein bisschen mehr nach Parlamentsarbeit aus, mit hölzernen Postfächern für die einzelnen Abgeordneten aber auch immer noch sehr traditionell. Auch hier funktioniert heutzutage natürlich viel mit moderner Technik, die Räume wirken trotzdem noch sehr altmodisch. Ich mochte den Raum mit den Postfächern und mit den Statuen berühmter Premierminister. Das House of Commons ist übrigens auch der Platz, wo jedermann mehr darf als die Queen – die darf hier nämlich nicht rein. ;)

Wir hatten eine sehr nette Führerin, die uns charmant und kompetent von dem Gebäude erzählt hat, von Kunst und Geschichte und Traditionen. Sie hat auch erklärt, wie das Gesetzgebungsverfahren in Großbritannien funktioniert und dass ein jeder Bürger das Recht hat, bei seinem Abgeordneten persönlich vorzusprechen. Ich habe gelernt, dass auch heute noch Gesetze erst gültig werden, wenn sie auf Pergament geschrieben werden. Die Pergamentrollen werden in einem der großen Türme gelagert – das längste ist 300 m lang und handelt von Steuern. ;)



Wir waren reichlich anderthalb Stunden unterwegs, das hat sich sehr gelohnt. Man kann auch alleine mit Audioguide durch das Gebäude wandern, ich fand die Führung aber doch die nettere Möglichkeit. Lohnt sich. Und auch Silph, die schon letztes Jahr mal eine Führung mitgemacht hat, fand es lohnend – sie hat ganz andere Dinge erfahren, das ist wohl sehr individuell vom Guide abhängig.

Nach so viel Zuhören und Angucken brauchten wir erst mal ein bisschen Pause. Wir haben uns angeguckt, wo wir am Abend hinmüssen und wie wir hinkommen (Busfahren! In fremden Ländern die Königsdisziplin des ÖPNV!) Wir haben in der Nähe des Hotels was gegessen (noch mal im Angel, ich hatte Burger) und uns dann noch ein bisschen ausgeruht.

Wir hatten nämlich ein aufregendes Abendprogramm vor. Wir wollten zu einer Swing-Veranstaltung auf einem Schiff auf der Themse. Dem Ahoy Ball. Das war gar nicht mal so teuer, schon die Bootsfahrt allein war sehr lohnend. Um so mehr mit toller Musik und Swing auf der Tanzfläche.



Es war das hintere Schiff, die Golden Jubilee.

Zugegeben, wir haben nur miteinander getanzt. Ich bin eh nicht großartig darin, Leader aufzufordern, erst recht nicht, wenn ich mich vor der Sprachbarriere scheue. Aber wir haben trotzdem reichlich getanzt und viel geschwitzt und richtig Spaß gehabt. Spaß hat es auch gemacht, den anderen zuzuschauen. Sieht ja schon super aus, wenn das jemand richtig gut kann. :) Man erlebt auch immer wieder große Überraschungen mit den eigenen Vorurteilen, wenn man versucht vom Aussehen der Leute auf ihre Tanzfähigkeiten zu schließen. Das ist auch spaßig. ;)

Das Schiff hatte zwei Ebenen, also auch zwei Tanzflächen. Es gab auch noch ein Außendeck und vorn einen kleinen Außenbereich zum Gucken. Die Strecke ging vom Temple Pier… äh… themseaufwärts bis zur Albert Bridge, deren pastellfarbene Schönheit wir im schönsten Sonnenuntergangsrosa bewundern durfte. Dann ging es zurück am Pier vorbei, unter der Tower Bridge durch, wo wir wieder gewendet haben. Wir waren gut drei Stunden unterwegs. Das war durchaus ein Reise-Highlight. :) Muss ich mich bloß mal noch mehr an andere Leute rantrauen. ;)

Wir sind mit dem Bus relativ unkompliziert zum Hotel zurückgekommen. Es war schon spät, wir mussten noch duschen, so verschwitzt wie wir waren – und auch noch Koffer packen, weil es recht früh am nächsten Tag wieder zum Flughafen ging. Hat aber alles recht unkompliziert geklappt, wir haben auch noch unseren Bonus-Tag des National Rail Pass für die Fahrt nach Heathrow nutzen können.

Und dann war der Urlaub schon wieder vorbei. Hat Spaß gemacht, war abwechslungsreich, vielen Dank dafür! :) Ich hatte vorher ein bisschen Sorge, dass das Urlaubsgefühl ein bisschen leiden würde durch die eine Woche hier und die andere Woche da, aber das hat sich eigentlich nicht bestätigt. Stadt war natürlich anstrengender (zumal in der Hitze), aber das passte schon

Stimmung:
tanzend
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