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Brighton

Dritter Zugtag. Wir ließen unsere Blicke über die doch recht vielfältigen Möglichkeiten schweifen, erwogen Salisbury und Winchester… entschieden uns dann aber für Brighton. Normalerweise vermeiden wir ja die großen klassischen Seebäder wegen abschreckender Menschenmengen, aber Brighton hat ja noch mehr als das. Es war dann der Royal Pavilion, der den Ausschlag gab.



Das ist ein wirklich exotischer Bau. Außen indisch, innen chinesisch mit sehr viel Gold und sehr viel Farbe. Wir dachten, wir hätten mit Castle Coch und vielleicht Neuschwanstein schon alles an romantisierendem Dekor gesehen, aber das hat hier alles noch mal auf ein neues Level gehoben.

Den Royal Pavilion ließ Anfang des 19. Jahrhunderts der Prince of Wales – der spätere König George IV. erbauen. Vorbild waren die indischen Mogulpaläste. Queen Victoria konnte sich mit dem Anwesen nie so wirklich anfreunden – sie mochte Brighton nicht, sie beklagte mangelnde Privatsphäre – so dass der Palast von der Regierung 1850 an die Stadt Brighton verkauft wurde. Victoria nahm einen Großteil der Innenausstattung mit. Der Royal Pavilion erlebte eine wechselvolle Geschichte, unter anderem als Lazarett im 1. und 2. Weltkrieg für die indischen und westindischen Soldaten, die sich hier ein bisschen an die Heimat erinnert fühlen sollten. Nach dem Krieg wurde das Anwesen restauriert, es ist auch ein ganzer Teil der Möbel zurückgekommen. Das heißt kurioserweise, das Gebäude gehört immer noch der Stadt, das Inventar immer noch der Queen. ;)



Leider durfte man innen nicht fotografieren. Man kann sich ohne Bilder aber nicht wirklich vorstellen, wie bunt und exotisch es da drinnen aussah. Allein dieser riesige, tonnenschwere Drache im Speisesaal, der den Kronleuchter hält… was für ein unglaubliches Ding. Drachen überall, die sich aus der Tapete ringeln und Vorhänge umschlingen. Gold überall und chinesische Gemälde, was nicht so recht zu dem indisch anmutenden Äußeren passte. Aber es ging ja nicht um Authentizität sondern um… äh… Exotik? Prunk?

Außen um den Royal Pavilion gibt es einen hübsch angelegten Garten und noch ein Museum – wir waren aber so übersättigt von Eindrücken, das wir nur ein bisschen außen rum geschlendert sind und da nix mehr groß angeguckt haben. Lieber haben wir uns einen Cream Tea gegönnt und Leute beobachtet und einem Straßenmusikanten zugehört.



Ansonsten ist Brighton natürlich ein berühmtes Seebad, vielleicht das englische Seebad überhaupt. Schon 1841 wurde es ja mit der Bahn von London aus angebunden, so dass schon zu diesen Zeiten die Touristen strömten. Die Stadt hat noch immer diesen viktorianischen Charme – gleichzeitig aber auch eine gewisse Hippie-Atmosphäre.



Der Pier ist die klassische Seebadsehenswürdigkeit. Ich komm immer noch nicht so recht darüber hinweg, dass in diesen klassischen Hallen, Spielhöllen und Achterbahnen drin sind, Lärm, Musik und Gedaddel und bunte Lichter. Das ist sehr klassisch englisch, für mich aber eher irritierend. Von außen so hübsch und von innen so ein Jahrmarkt.

Wir sind einmal durchgelaufen, haben Aussicht genossen und uns dann unten noch ein bisschen an den Strand gesetzt. Steinstrand, das hatte ich nicht erwartet, aber hübsche Steine. Hübsche runde Kiesel.



Man musste bloß auf die Möwen aufpassen, die natürlich in solchem Umfeld vor gar nichts zurückschrecken. Auf den Fotos sind sie aber trotzdem hübsch und passen gut dazu.

Wir sind dann nur noch ein bisschen durch die Stadt geschlendert, an der North Lane entlang. Brighton hat schon sehr viel Charme, man kann nachvollziehen, warum die Stadt seit so vielen Jahren ein Anziehungspunkt für Touristen ist. Strand und Pier sind sehr hübsch und allein schon der Royal Pavilion ist eine Besichtigung wert. :)

Auf dem Rückweg sind wir dann noch weiter nach Watford gefahren, weil wir in den Shop der Potter Experience wollten. Hat aber nicht geklappt, der Bus nimmt einen ohne Ticket nicht mit. :( Immerhin hat uns die sinnlose Fahrt nichts extra gekostet.

Später am Abend waren wir noch mal unterwegs, weil wir gelernt haben, dass das Victoria & Albert Museum freitags abends lange auf hat. Wir haben noch mal in Farringdon gegessen (Lasagne) und sind dann zum Museum gefahren. Glücklicherweise ist das Museum mit Tunnel an die Tube angeschlossen, es hat da nämlich tatsächlich mal geregnet.

Wir sind ein Stündchen durchs Museum geschlendert. Das war gar nicht mal so verlassen wie erwartet – es war aber leider auch nicht alles zugänglich. Das Erdgeschoss nur und ausgewählte Bereiche oben. Schade. Aber hat trotzdem gereicht und fußlahm waren wir auch so. Immerhin hatte der Regen inzwischen aufgehört und wir sind auf dem Heimweg nicht noch nass geworden.

Stimmung:
erschöpft
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