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feder

Dover

Wir waren schon recht oft in Großbritannien, einige Ecken fehlen aber noch auf unserer Liste. Dazu gehörte bislang auch der Südosten. Wir wollten ohnehin nicht die ganzen Tage in der Stadt verbringen, also hatten wir uns einen National Rail-Pass gekauft mit dem wir in einem ziemlich großen Gebiet um London herum mit der Bahn fahren konnten. Damit kommt man bis Bath im Westen, bis zur Küste im Süden, aber auch bis Salisbury, und im Norden bis King’s Lynn. Wir haben uns vorab einen Pass für drei Tage gekauft (und einen vierten dazubekommen) und das hat alles super funktioniert. Wir mussten ihn nur am ersten Tag abstempeln lassen, für die anderen Tage konnten wir das Datum dann selbst eintragen.

Das Ziel, das wir vorab schon geplant hatten, war Dover. Dover Castle ist weltberühmt, die Kreideküste und der Blick über den Ärmelkanal.



Wir sind recht früh aufgebrochen und waren trotz kleinerer Umwege und merkwürdig zugewuchertem Aufstieg noch kurz nach Öffnung des Castles vor Ort. Da zeigte sich dann, dass Silphs lebenslange CADW-Mitgliedschaft nicht nur sie kostenfrei in eine English-Heritage-Sehenswürdigkeit bringt, sondern auch mich als Begleitung. *g* Das ist natürlich praktisch, erst recht, da Dover eine der hochpreisigen Sehenswürdigkeiten ist.

Von der Anlage her erinnert mich Dover an Stirling Castle in Schottland. Ein großes Gelände mit militärischen Bollwerken, mit Nebengebäuden und Kirche und großem, innen liebevoll restauriertem Schlossgebäude. Und das dann noch lebendig gemacht durch Filmchen oder gewandeten Staff oder auch Hologrammen, die Räume „belebten“.

Wir haben zuerst die Kirche angeschaut, die neben den Resten eines römischen Leuchtturmes steht.



Die Kirche stammt ursprünglich aus sächsischer Zeit, sie wurde aber nach jahrhundertelangem Verfall im 19. Jahrhundert in die heutige Form gebracht. Sie diente dann als Militärkirche.



Von den ursprünglich romanischen Formen sieht man nun nicht mehr viel.

Kirche und Leuchtturm befinden sich auf dem höchsten Punkt des großen Geländes. Man hatte von da auch einen guten Überblick – das Wetter gewährte uns allerdings keinen Fernblick bis Frankreich. Es war tatsächlich auch wieder windig und frisch, so dass wir uns erst mal in einem Nebengebäude ein Filmchen zur Geschichte der Burg angeschaut haben. Zusammen mit einer deutschen Schulklasse – Dover ist Hauptsehenswürdigkeit und von Schulklassen aus aller Herren Ländern belagert… Wir haben jedenfalls gelernt, dass Heinrich II. die Burg ausgebaut hat, die dann auch zu einem Schauplatz im KAmpf um seine Nachfolge wurde. Ein kurzer Abriss durchs Hause Plantagenet. Vieles kannten wir schon, auch wenn ich das nicht so detailliert referieren könnte, wie sie es dargeboten haben.

Dann sind wir zum Aufwärmen in das Hauptgebäude gegangen.



Das ist wirklich sehr hübsch restauriert, sehr farbenfroh, aber durchaus wohnlich.



Es sind nicht alle Räume restauriert, aber die wichtigsten. Thronsaal, Schlafsaal, Royal Chapel, wo dem englischen heiligen Thomas Becket gedacht wird. Einige Diensträume, Küche, Wachstube, Schreibstube mit Schatzkammer und Unmengen an Gängen und Treppen.

Im Schlafzimmer war spaßig, dass mich eine hilfreiche Dame vom Staff mich ansprach, ob mir denn aufgefallen sein, dass das Bett so kurz ist und ob ich wüsste warum. Äh, ich war verwirrt über die Frage, referierte kurz darüber, dass man in früheren Zeiten nicht flach schlafen wollte, weil das das an die Position Toter erinnert. Deshalb schlief man im Sitzen. Sie genau so verwirrt wie ich: „That‘s right, you get a star for the answer. Good girl.“ *g* Ich nehm das mal als „10 points to Ravenclaw“.



Wir waren auf dem Turm, wir waren im Souvenirshop. Allerdings waren wir auch allmählich ermüdet von dem Gewimmel der Menschenmengen/Schulklassen. Wir sind also nicht noch die komlette Anlage abgelaufen, sondern nur noch kurz in den militärischen Tunneln. Die waren allerdings nicht so spannend, aber das mag auch an der ermüdeten Aufmerksamkeit und am Militarismusthema gelegen haben…

Wir sind zurück in die Stadt, die erstaunlicherweise sehr wenig touristisch wirkte. Weil alle nur das Castle angucken und durchfahren vermutlich. Das kleine Stadtmuseum an der Touristinfo lohnt aber auf jeden Fall einen Besuch, da sie ein großes bronzezeitliches Boot haben. Nie davon gehört, aber sehenswert.

Wir haben im örtlichen Weatherspoon gegessen (ich hatte Chili zum warmwerden), dann sind wir zurück zum Bahnhof. Wir sind aber nicht gleich nach London zurückgefahren, sondern sind noch in Canterbury ausgestiegen. Die Kathedrale von Canterbury ist ja auch so ein must see.



An der Stelle die Anekdote aus der Jungend: wir waren auf Klassenfahrt in London, in der, ich glaube 11. Klasse. Nach langem Besichtigungstag waren wir auf dem Weg zur Fähre, es war schon dunkel, der Bus hält neben einer Mauer und will uns rauswerfen. „Die Kathedrale ist gleich da vorn, in einer Stunde geht es weiter.“ Und wir gucken uns alle völlig verpeilt an: „Welche Stadt ist das eigentlich?“

Das, was ich immer zuerst mit der Kathedrale von Canterbury verbinden werde: „Welche Stadt ist das eigentlich?“ *g*



Bei Lichte besehen ist Canterbury aber eine sehr hübsche Stadt, wenn auch wieder sehr voll, was ja aber auch zu erwarten war. Es ist ja auch zurecht eine Hauptsehenswürdigkeit. Die Kathedrale ist ein faszinierendes Bauwerk und das Zentrum anglikanischer Religion.



Außen wurde an der Kathedrale gebaut, das schränkte den Blick leider ein bisschen ein. Beeindruckend war das Bauwerk trotzdem, mit all den Türmen und Ecken und innen natürlich mit dem großartigen Kirchenschiff.

Wir sind auch hier wieder dem heiligen Thomas Becket begegnet, der in der Kirche von Canterbury ermordet wurde. Im Auftrag König Heinrichs - oder auch nicht, das wird nun keiner mehr klären können. ;)



Canterbury und Dover sind jedenfalls beides Sehenswürdigkeiten in England, die man mal gesehen haben sollte. Mehr brauchten wir für den Tag dann auch nicht. Wir waren ziemlich platt, als wir in London zurückwaren und sind mit einem Sandwich im Hotel geblieben – auch weil Fußball-WM war und England spielte. Da haben wir uns nicht so richtig rausgetraut…

Stimmung:
historisch
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Comments

Außerdem ist Dover Castle eine arthurische Sehenswürdigkeit, weil Sir Gawain in der Kapelle begraben ist. Leider sind es zwei Kapellen und man weiß nicht, in welcher.