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13. Nov 2018

drei

Charleys Tante

Im Moment spielen sie im Boulevardtheater Dresden Charleys Tante – das wollte ich gerne sehen, das hatte ich mir zum Geburtstag gewünscht. :) Gestern war es dann so weit. Wir waren im Theater und wir haben uns sehr gut unterhalten.

Die Geschichte kennt man vielleicht noch von Heinz Rühmann oder Peter Alexander: die Freunde Charley und Jack wollen mit den angebeteten Damen dinieren und schieben als Anstandsdame Charleys Tante aus Brasilien vor. Die verspätet sich jedoch um einen Tag, so dass ein anderer in die Rolle der Dame schlüpfen muss, was mit Vater und Vormund der Liebenden zu wilden Verwicklungen führt.

Hier war es der Diener Brassett, der sich als Tante verkleiden musste, sehr gegen seinen Willen, so dass mir der arme Kerl bei all der Komik doch leid tat. Jack und Charley mögen es zwar mit ihren Damen ernst meinen, in ihrer oberflächlichen, leichtlebigen Art erschienen sie mir da aber nicht besonders sympathisch. Sie haben Brassett schon als Diener schlecht behandelt und bezahlt, nur um ihn dann zum Spielball ihrer verzweifelten Ideen zu machen. Er wollte das nicht, wollte auch kündigen und hat dann doch weiter geholfen (nur um am Ende als treuer Diener einem anderen Herren angepriesen zu werden. Toller Dank.). Ich weiß nicht, ob diese Ebene von Herrn und Diener im Stück so beabsichtigt war, bei mir ist das so angekommen. Brassett tat mir leid (und auch der einsam übrig bleibende Onkel).

Durch den Diener (der sicherlich ein Valet war und kein Butler, wenn man genau sein möchte) erinnerte mich das Stück aber auch an Jeeves und Wooster, was nun wieder zu der komischen Seite beitrug. Brassett war wirklich super, auch als Tante. Anspielungen gab es auch noch auf die Titanic – sowohl Schiff und Film – auch wenn bei mir der Groschen mit Jack und Kate erst sehr spät gefallen ist. ;)

Was mir auch sehr gut gefallen hat, war die Bühnenausstattung. Sehr klassisch, sehr englisch. Das Beste war aber, das es quasi als Schwarz-Weiß-Film losging. Noch auf den Vorhang wurden Textfelder wie vom Stummfilm projiziert – und dann war alles schwarz-weiß. Oder eher Sepiafarben. Die Beleuchtung war so geschickt, dass alle Farben verschwunden waren. Und sie war so geschickt, dass sich die Farben auch langsam wieder einblenden ließen, als mit der jungen Liebe Leben in die Bude kam. Sehr schön gemacht.

Stimmung:
schwarz-weiß
Tags:

11. Nov 2018

Wächter

Auf dem Kreuzfahrtschiff

Wir haben das jetzt mal mit einem Kreuzfahrtschiff ausprobiert. Eine Woche auf der AIDAsol auf dem Mittelmeer. Wir hatten zu dritt eine Balkonkabine und das hat ziemlich gut geklappt. Auch die Anreise über Nürnberg nach Mallorca hat gut geklappt. Ich berichte dann noch mal im Detail zu den einzelnen Stationen, erst mal nur ein allgemeiner Eindruck:

So ein Kreuzfahrtschiff ist schon groß, auch wenn sich die Leute durchaus verteilen. Man kann aber immer Unterhaltung finden, wenn einem danach ist und natürlich gibt es immer Programm. Mir war das schon alles ein bisschen zu groß und zu viel, aber ich bin auch kein Massentourist. Um es sich vor dem Winter mal noch eine Woche gutgehen zu lassen, ohne sich um irgendwas groß kümmern zu müssen, ist es aber prima. Und das Essen war natürlich auch prima. ;)

Die Leute von der AIDA können Pathos und große Gesten, sie haben das schon sehr gut drauf, die Gäste sich besonders fühlen zu lassen und als Teil einer exklusiven Gemeinschaft. Das finde ich psychologisch hochspannend, hat bei mir natürlich auch funktioniert. ;)

Und natürlich war da das Meer und die Landschaft. Wetter war leider etwas nass, auch wenn uns das nicht von Ausflügen abgehalten hat. Sonnenschein wär natürlich schöner gewesen als Regen, aber dramatische Wolken machen sich natürlich auch nett auf den Fotos. ;)



Auch die Hafenromantik macht sich gut auf den Fotos. Wir lagen ja in den jeweiligen Häfen und nicht an der Strandpromenade, so dass man mehr oder weniger Einblick in das Hafenleben bekommen konnte. Containerschiffe und Kranballett ist dabei fürmich allerdings spannender als auf andere Kreuzfahrtschiffe zu gucken. ;)

Wir haben Station gemacht in Neapel, Rom, Livorno (Toskana), Marseille und Barcelona. Positive Überraschung war dabei Marseille, aber dazu komme ich noch. Es waren jedenfalls 1.528 Seemeilen in 8 Tagen, unterwegs mit der einzigen Kapitänin der AIDA-Flotte.

Stimmung:
maritim
Tags:

26. Okt 2018

drei

Erfurt

Letztes Jahr waren wir in Fritzlar für unser Treffen auf den Spuren des Heiligen Bonifatius. Dieses Jahr war Erfurt der Treffpunkt, wo sich durchaus auch noch bonifatiöse Spuren finden lassen. Außerdem liegt es mittig in Deutschland, so dass die Anreise für alle halbwegs gerecht war. Von Dresden aus war die Anreise sehr einfach, mit dem Zug, der jede Stunde fährt, zwei Stunden. Da ist man mit dem Auto auch nicht schneller.

Die werte Mitreisende hat ihre Bemerkungen zur Stadt und den Sehenswürdigkeiten hier schon mal aufgeschrieben. Meine Eindrücke wollte ich hier aber auch noch festhalten.

Erfurt ist eine sehr schöne Stadt – jeder sagt das – wir sagen das nach eigener Anschauung jetzt auch. Der historische Kern um die Krämerbrücke ist sehr hübsch, der Dom, der hochbeinig über seinen riesigen Vorplatz thront, ist sehr beeindruckend und auch sonst finden sich noch viele sehenswerte Ecken und Winkelchen. Erfurt wurde im Krieg kaum zerstört. Erfurt war im Mittelalter ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt und sehr reich durch den Handel und den Anbau und die Weiterverarbeitung von Färberwaid. Das sieht man noch heute an den prächtigen Gebäuden der steinreichen und stickreichen Händler.



Wir haben eine Stadtführung mitgemacht, da wurden uns auch viele Sprichworte und Redewendungen erklärt, eben auch, dass das „stickreich“ mit dem Blaufärben verbunden war. Für die Verarbeitung (Fermentierung) des Farbstoffes wurde „Urin betrunkener Männer“ benötigt, was nicht eben wie Rosenblüten geduftet haben wird. Mittelalterliche Städte dürften eh keine Freude für moderne Nasen gewesen sein, im Färber- und Gerbergewerbe erst recht nicht. „Man konnte die Stadt riechen bevor man sie sehen konnte.“

Mit der Führung waren wir auch im Rathaus, das über zahlreiche großformatige Historiengemälde verfügt, die die Geschichte der Stadt erklären, von Bonifatius über Luther hin zu Napoleon und den Preußen, die die jahrhundertelange Zugehörigkeit zum Bistum Mainz ablösten. Das war spannend – und der Ratsaal mit seiner prächtigen Ausstattung ist wirklich sehr beeindruckend.

Erfurt ist lange schon Universitätsstadt (auch Luther studierte hier), was der Stadt heute noch einen jungen Eindruck verleiht. Überhaupt machte die Stad einen sehr entspannten, lebenswerten Eindruck, zu dem sicherlich auch das sonnig goldene Herbstwetter beigetragen hat und dass an jeder Ecke Eisverkäufer zu finden waren. Besonders zu empfehlen sei der Eiskrämer auf der Krämerbrücke. Die krämerbrücke ist natürlich auch so sehenswert mit all den hübschen Läden, Manufakturen und Künstlern.



Der Fluss durch Erfurt ist übrigens die Gera. Das mussten wir erst lernen. Auch, dass all die zahllosen Gewässer zum Fluss gehören und nur Flutgräben, Ableitungen und Teilströme sind.

Auch den Erfurter Dom haben wir besichtigt – wenngleich nicht sehr lange, da jemand Orgel übte und mit modernen Dissonanzen unsere Ohren quälte. Wir haben trotzdem die Skulptur von Bonifatius gefunden und das beeindruckende gotische Bauwerk bewundert. Der Dom ist 81,26 m hoch und besitzt mit der Gloriosa die größte freischwingende mittelalterliche Glocke der Welt. Der Dom diente aber nur kurze Zeit in der Mitte des 8. Jahrhunderts als Bischofssitz und ist erst wieder seit 1994 Kathedrale des neugeschaffenen Bistums Erfurt. Dazwischen gehörte Erfurt – wie schon gesagt – zum Bistum Mainz.



Der Dom befindet sich auf einem Hügel und thront sehr malerisch über der sonst eher flachen Stadt. Da der Hügel für die Anbauten nicht ausreichte, wurde ein beeindruckender Unterbau geschaffen, neben dem die 70 Stufen der breiten Treppe hinaufführen.

Im Inneren mochte ich besonders den Einhornaltar, aber auch der Armleuchter Wolframleuchter war hübsch, eine der ältesten freistehenden Bronzeskulpturen in Deutschland und die größte anthropomorphe rundplastische Bronze des europäischen Mittelalters.

Neben dem Dom hat Erfurt noch eine große Zahl weiterer Kirchen. Wir haben noch einige angeschaut, damit kann man sich wohl eine ganze Weile beschäftigen. ;)

Den besten Überblick hat man vom Domberg oder vom danebenliegenden Festungshügel. Die Zitadelle Petersberg wurde im 17. Jahrhundert unter Mainzer Herrschaft als Zwingburg angelegt, später von den Franzosen und Preußen als Befestigungsanlage genutzt.

Die Wälle und Bastionen und monumentale Mauern machen immer noch einen recht kriegerischen Eindruck, auch wenn sich heute auf dem Berg ein Café befindet, Kunst, das Bundesarbeitsgericht und der Beauftragte für Stasi-Unterlagen. Und wie gesagt, Ausblick gibt es sehr schön von dort oben. :)

Eine weitere Führung führte uns durch die Alte Synagoge Erfurt. Das Gebäude wurde erst in den 90iger Jahren wiederentdeckt, da es von anderen Gebäuden völlig umbaut und die ursprüngliche Funktion vergessen war. Im 14. Jahrhundert, im Rahmen von Pestprogromen (noch bevor die Pest überhaupt in der Stadt war), wurde ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung vertrieben. Die Synagoge ging in den Besitz eines Kaufmannes über, der einen Speicher aus dem Gebäude machte. Es war lange Lagerraum, später Gaststätte mit Tanzsaal und Bowlingbahn. Immerhin blieb es dadurch von weiterer Zerstörung verschont und ist heute die älteste erhaltene Synagoge Europas.



Das Gebäude selbst zeigt nur noch wenige Spuren jüdischen Lebens, es gibt aber derzeit eine interessante Ausstellung über Synagogen und deren Architektur. Im ehemaligen Tanzsaal befindet sich zudem eine Ausstellung zu jüdischen Schriften. Und – das Highlight – im Keller wird der jüdische Silberschatz ausgestellt, der 1998 in Erfurt gefunden wurde. Der Schatz stammt nicht vom Synagogengelände, er wurde aber vermutlich auch im Rahmen des gleichen Pestprogroms von 1349 hastig vergraben. Der Kaufmann, der den Schatz vor seiner Flucht vergraben hat, hat es vermutlich nicht geschafft zu entkommen…

Der Schatz besteht aus 28 kg Silber in Form von Barren, Münzen, Haushalts- und Kultgegenständen und Schmuck. Nicht alles ist explizit jüdischer Machart, was einerseits einen Einblick auf mittelalterliche Mode und Alltagsgegenstände zulässt, andererseits (vielleicht) auch ein Zeichen für Integration und selbstverständliche Durchmischung war. Ich mochte den Gürtel mit den Krebssymbolen, die ziemlich sicher keine jüdische Symbolik darstellen sondern vielleicht nur dem Zeitgeschmack entsprachen.

Prunkstück des Schatzes ist ein jüdischer Hochzeitsring, einer (der größte und schönste) von nur drei in Deutschland. Der Ring wird aus ineinandergreifenden Händen gebildet und trägt ein kleines Gebäude, auf dem in hebräischer Sprache Masel tov steht. In dem Gebäude befindet sich eine frei bewegliche Kugel, die bei Handbewegungen klingelnde Geräusche machte – wie die Führerin meinte: „Das ist wie beim Schokoladenhasen das Glöckchen, da weiß man immer, wo die Braut ist.“

Man kann sich auch die Mikwe, direkt an der Krämerbrücke, noch anschauen, darauf haben wir dann aber verzichtet, wir haben ja schon einige solcher Bauwerke gesehen. Die Führung in der Alten Synagoge war jedenfalls super, begeistert und kenntnisreich vorgetragen, auch wenn das Tempo möglicherweise für manchen Besucher etwas schnell war. ;)

Ansonsten haben wir es in Erfurt ruhig angehen lassen und die Zeit in unserer sehr geräumigen Ferienwohnung auch zum Quatschen und Spielen genutzt. Denn in der Hauptsache ging es ja um das Treffen. :)

Stimmung:
bonifatiös

18. Sep 2018

drei

Schlösser und Schären

Wir wollten noch mal Meer sehen. Und da wir gute Erfahrungen damit gemacht haben, random Sehenswürdigkeiten der Straßenkarte anzusteuern, haben wir das am letzten Tag auch noch mal gemacht. Wir sind von Stockholm aus nach Süden gefahren, mehr oder weniger nahe an der Küste.

Erste Sehenswürdigkeit, die wir dabei ansteuerten, war das Schloss Tullgarn:



Ein hübsches rosafarbenes Gebäude, das seine heutige Gestalt wohl im 18. Jahrhundert erhielt. Es soll innen eine sehr schöne klassizistische Einrichtung haben – aber da man nur mit Führungen reindurfte und keine englische in Sicht war, haben wir uns mit dem Blick von außen begnügt. Das war schon mal sehr hübsch, Schloss, Park und Wasser.

Weiter ging es in das Städtchen Trosa, das mit pittoresken Holzhäusern aufwarten kann.



Das Rathaus ist besonders hübsch, auch die Holzhäuser am Fluss entlang. Auch sind in den Häusern viele kleine individuelle Geschäfte, die zum Bummeln einladen. Wir haben nur geguckt, nix gekauft, wir haben aber die Gelegenheit genutzt und gleich in Trosa zu Mittag gegessen (ich hatte Nudeln, Susann Pizza). Frisch gestärkt haben wir noch eine Runde auf der vorgelagerten Insel gedreht, wir konnten uns aber nicht so recht entscheiden, ob wir noch eine Badestelle wollten. Also ging es weiter, immer noch nach Süden.

Nächster Halt – Schloss Nynäs:



Schon das Gelände um das Schloss herum ist spannend, weil da eine Art Erlebnis-Landwirtschaft aufgebaut wurde, mit lebenden Schweinen und Hühnern und Technik und historisch eingerichteten Bauernhäusern. Da war auch überall viel Informationsmaterial dabei, leider (und erstaunlich) nur auf Schwedisch. Haben wir also nur geguckt und nicht gelesen.

Das Schloss selbst war wieder sehr malerisch, wir haben es auch wieder nur von außen angeguckt, es hätte auch hier wieder nur Zugang mit schwedischen Führungen gegeben. Ohne Führung konnte man eine kleine Ausstellung zu historischer Küche angucken – nicht Küche im Sinne von Herd und Töpfen, sondern Speisekarte und Verarbeitung und Gerichte im Wandel der Zeit. Noch um 1900 stammte ein Großteil der Lebensmittel aus der direkten Umgebung des Schlosses – und auch Frau Gräfin selbst musste sich mit Haltbarmachung und Speiseplan beschäftigen. Auch hier gab es nur schwedische Beschriftung, aber es war relativ selbsterklärend und da war auch noch eine nette Dame, die uns ein bisschen was erzählt hat. Die hat uns auch in den Garten geschickt, damit wir vom Obst kosten und an den Kräutern schnuppern. :) Der Aufforderung sind wir doch gerne nachgekommen.



Ein wirklich schöner Garten. So viel, was da blühte und Früchte trug. Eine große Vielfalt an Obst und Gemüsen. Susann hatte eine große Auswahl an Apfelsorten, ich hab noch Himbeeren gefunden. Unter einem Apfelbaum haben wir die Aussicht genossen und eine ganze Weile gemütlich gesessen. Mit Kaffee und Kuchen wär es perfekt gewesen, aber auch so war es ziemlich nahe dran. :)

Ursprünglich hatten wir die Stadt Nyköping als Tagesfernziel angepeilt. Hier im Garten haben wir dann aber entschieden, dass wir keine Lust mehr auf Stadtbesichtigung haben. Meer hätten wir gerne noch gesehen, aber Stadt musste es nicht mehr sein. Mit einer kleineren Regionalkarte, unserer Straßenkarte und irgendwie auf Sicht sind wir noch ein Stück nach Süden gefahren und schließlich den Schildern zum Stendörren Naturreservat gefolgt, ohne zu wissen, was uns da erwartet. Erst mal gab es abenteuerliche Schotterpiste, dann einen gut besuchten und scheinbar überdimensionierten Parkplatz/Campingplatz. Meer haben wir noch keins gesehen, aber wir haben die Badesachen mal mitgenommen auf der Suche nach Wasser. ;)



Meer! Und nicht nur das, wir waren hier an einer Bucht mit felsigen Schären, die man über abenteuerliche Hängebrücken erobern konnte.



Das waren spannende Konstruktionen – und ziemlich schaukelig. Man durfte nur maximal zu zweit auf die Brücke – beim ersten Versuch haben wir auch gleich gelernt, warum. Zu zweit bringt man die Brücke in verschiedenem Rhythmus zum Schwingen, was das Ganze noch unberechenbarer macht. Alleine war uns da schaukelig genug. ;)



Aber spannend und abenteuerlich!

Die Inselchen, die man so erreichte, waren die typischen runden Felsen der Schären. Mit den Kiefern und anderen bewuchs haben sie ein bisschen an die Sächsische Schweiz erinnert, nur eben mit Wasser zwischen den Kletterfelsen. ;) Man konnte an allen Ecken gemütlich rasten oder ans Wasser klettern oder grillen und vielleicht auch übernachten. Wir haben uns ans Wasser gesetzt und auf die Inselchen geguckt – reingegangen sind wir aber nicht mehr. Nicht, weil es zu kalt war, sondern weil das Wasser voller Tang und Algen war und das eher zu einer glibschigen Angelegenheit machte. ;)

Ein wirklich schönes Ziel – und da es wieder unerwartet überraschend kam, war das gleich noch mal so schön. :) Ein sehr eindrucksvoller Abschluss unserer Urlaubswoche, am nächsten Tag ging es nämlich schon wieder heim.

Stimmung:
am Meer
Tags:

14. Sep 2018

drei

Rund um den Mälarsee

Mit den Schärenfahrten hatten wir unsere must-see-Ziele erledigt, der Rest war sozusagen Kür, so dass wir uns zwar nicht vom Zufall, aber doch von spannenden Kartenmarkierungen leiten ließen. Grober Gedanke war an diesem Tag, den Mälarsee zu umkreisen (auch wenn man auf der Autobahn nicht unbedingt viel vom See zu sehen bekommt).

Der erste Anlaufpunkt war auf der Landkarte mit „Sigurdsristningen“ bezeichnet – wir hatten schon gelernt, dass Ristningen Runensteine sind – und alte Steine können mich ja immer begeistern. Glücklicherweise kannte Ludmilla (mein Navi) diese Sehenswürdigkeit, die Dörfchen und Sträßchen, durch die sie uns gelotst hat, hätten wir sonst nie gefunden. Aber es waren sehr malerische Dörfchen und Sträßchen und alleine schon die Fahrt wert. Die Ritzzeichnung war dann auch viel größer als erwartet:



Ein riesiger Stein, vor dem allerdings der Zuweg und eine Aussichtsplattform neugestaltet wurden, so dass wir nur zu Fuß direkt davorstehen konnten. Bei den Dimensionen von ca. 4,5 x 2 Metern war es dann ein bisschen schwierig mit dem gesamtüberblick. Trotzdem konnten wir Sigurd entdecken, der den Drachen Fafnir tötete, Loki und Odin und wer sonst noch zu der Sage dazugehört. Hier kennt man das Motiv ja eher aus der Nibelungensage, in Schweden ist es eben Sigurd.



Ich hoffe, man kann das Drachentöten erkennen…

Bemerkenswert – und das lerne ich erst jetzt – ist, dass die Ritzung von einer Frau veranlasst wurde. Der Text im Runenband bedeutet (laut Wikipedia): „Sigriþr, Alrikrs Mutter, Ormrs Tochter, machte diese Brücke für die Seele des Holmgeirr, Vater der Sigruþr, ihren Ehemann.“

Erstaunlich auch, dass wir da in einsamer Gegend an Winzdörfchen tatsächlich noch andere Touristen trafen, für so einsam erscheinende Gegend war es doch ein recht reges Kommen und Gehen.

Wir sind vom Stein aus in die nächste Stadt gefahren: Eskilstuna. Das ist nicht unbedingt ein Touristenziel, eher eine Industriestadt, die aber sehr hübsche Seiten hat.



Der Fluss, der die Stadt durchquert, bildet einen hübschen Rahmen für die alten Holzhäuser. Wir haben auch direkt am Fluss gegessen, leckeren Lachs mit Kartoffel-Blumenkohlpüree – und einem Kellner, der sich übers Oktoberfest und Bayern München unterhalten wollte. Aber Kaffee und Kekse gab‘s auch. ;) Außerdem hab ich in Eskilstuna als Souvenir ein Muminkleid gekauft, das ist ganz entzückend.

Weiter ging es am Mälarsee entlang. Den nächsten Halt haben wir dann in Arboga gemacht, das ist zwar ein Verkehrsknotenpunkt, aber auch ein eher gemütliches kleines Städchen. Immerhin war Arboga 1710 für ein halbes Jahr mal schwedische Hauptstadt, als man Stockholm wegen der Pest vermeiden wollte.



Wir haben uns die Kirche (mit ihren Kirchenmäusen) angeschaut und die hübschen Holzhäuser der Altstadtgassen. Das hatte schon viel Charme mit den roten Häusern, dem Wasser und den vielen Brücken.

Für den Rückweg auf der Nordseite des Mälarsees ließen wir uns dann wieder von den Sehenswürdigkeitenmarkierungen der Landkarte leiten. Bei Västerås gab es eine prähistorische Sehenswürdigkeit namens Anundshög - wir waren nicht darauf gefasst, da den größten schwedischen Grabhügel und eine bedeutende prähistorische Stätte anzutreffen. Das war mal eine Überraschung:



Es gibt hier den großen Grabhügel mit 9 Metern Höhe, es gibt 5 Schiffssetzungen, von denen noch nicht alle restauriert sind. Außerdem gibt es einen Runenstein und eine Reihe stehender Steine, die einen Königsweg markieren. Noch bis in historische Zeiten war hier ein Thingplatz, auch gibt es vielfältige Siedlungsspuren, die von langer Besiedlung zeugen.



Das war alles beeindruckend und auch wirklich schön. Man konnte da auch einfach so herumtappen, ohne Ticket oder Eintritt. Da es schon später Nachmittag war, hatten wir die Sehenswürdigkeit auch fast für uns alleine, das war natürlich noch besser. ;)



Die Anlage war gut ausgeschildert, man konnte sich also belesen über die einzelnen Teile und die historische Bedeutung (soweit sie bekannt ist). Spannend fand ich unter anderem, dass der Königsweg noch lange bis in die Neuzeit zu der Strecke gehörte, die der König bei seiner Amtseinführung zurücklegte, um sein Land zu bereisen und sich dem Volk zu zeigen. Ich weiß nicht, ob König Karl Gustav das noch gemacht hat, wundern würde mich das aber nicht. ;)

In der Nähe hätte es auch noch ein prähistorisches Labyrinth gegeben, aber wir hatten zu dem Zeitpunkt schon genug gesehen. Es fing dann auch zu regnen an, was sich Richtung Stockholm zu einem beachtlichen Wolkenbruch auswuchs. Wir haben uns also nur noch ins Quartier verzogen und den Tag gemütlich ausklingen lassen.

Ein Ausflugstag voller spannender Überraschungen und Entdeckungen. :)

Stimmung:
historisch
Tags:

10. Sep 2018

drei

Zwei Schärenrundfahrten

Viele Wege führen durch den Schärengarten vor Stockholm. Die über 20.000 Inseln, die sich vor Stockholm über 60 Kilometer der Küste lang erstrecken, sind auch von jeder Seite aus sehr malerisch. Wir sind einen Tag mit dem Auto dort herumgekurvt – und am nächsten Tag noch mal mit dem Schiff dort unterwegs gewesen.



Unsere Autostrecke führte uns auf die Inseln Värmdön und Vindö, so weit die Straßen eben reichten. Wir hatten ja kein festes Ziel sondern wollten nur Landschaft begucken. Erste Station, nachdem wir uns durch den Stadtverkehr von Stockholm gewurstelt hatten, war Gustavsberg. Das ist ein gar nicht mal so kleines Städtchen auf der Insel Värmdön, mit einem hübschen Hafen und einer Porzellanfabrik. Letztere wird überall beworben, es muss auch ein größeres Kunstzentrum in der Gegend geben. Wir haben uns mehr für den Hafen interessiert, sind dort ein bisschen herumgelaufen, haben Sonne und dramatische Wolken genossen. Sehr viel mehr war da auch nicht zu sehen, Gustavsberg ist vor allem Verwaltungszentrum und Versorgungsstützpunkt für die umliegenden Inseln. Die sind noch alle mit Brücken verbunden und gut erreichbar. Immer wieder sieht man hübsche rote Häuschen im Wald verteilt und kann sich so gut vorstellen, dass die Stockholmer Stadtbewohner hier ihre Wochenenden verbringen. Wasser haben wir auf unserer Fahrt gar nicht so viel gesehen, aber Felsen und Wald und mehr Felsen und Häuschen.



Hübsch. Sehr hübsch. Der nördlichste Punkt, den wir mit dem Auto in den Schären erreicht haben, war der Hafen von Sollenkroka, wenn ich das jetzt richtig reproduziere:



Auf dem Rückweg sind wir noch mal abgebogen und haben einen noch kleineren Hafen gesucht und gefunden. Överby – der sich dann auch als Badestelle anbot. Das Wetter war gar nicht mal so sommerlich wie die Tage davor, aber die Gelegenheit war so günstig, dass ich mich doch ins Ostseewasser wagte. Kalt, ja, aber nicht schlimm. Ich bin froh, dass ich mich getraut habe und ein bisschen herumgepaddelt bin. Mit Schären im Hintergrund und Segelschiffen und Möwengeschrei. Hach, schön…



Danach haben wir erst mal was zu Essen gesucht. – Inzwischen hatten wir schon gelernt, dass es üblich ist, sich das Essen an der Theke zu bestellen und dort zu bezahlen und dann erst zu setzen. Das war hier auf der Insel sprachlich ein bisschen schwierig, aber wir haben es dann doch hingekriegt. Schwierig, weil der gute Mann uns von der kleineren Pizza überzeugen wollte, anstelle der normale – und damit völlig recht hatte. Wir haben ihn nur nicht verstanden, eingesehen haben wir das schon. ;)

Frisch gestärkt sind wir der Straße 274 noch ein Stück gefolgt, von der aus man hätte mit den Fähren nach Vaxholm fahren können. Da wir aber vorab Fährzeiten (ständig) und Tarife (kostenlos) nicht verstanden haben, haben wir uns den Fährbetrieb nur vom Ufer aus angeschaut.



Wir wollten ja nicht wirklich was auf der anderen Seite, da war das auch nett. Und für den nächsten Tag wollten wir ja sowieso mit dem Ausflugsschiff in die Richtung. Also haben wir den Fähren nur nachgeschaut und sind dann über Gustavsberg wieder heimgefahren. Eine sehr schöne Rundfahrt, die sich seltsamerweise nicht besonders inselig angefühlt hat.

Mehr Inselfeeling gab‘s dafür dann am nächsten Tag. Wir hatten uns eine der zahllosen Schärenfahrten ausgesucht und glücklicherweise auch einen Sitzplatz bekommen. Das Schiff war gut gefüllt, dank des herrlichen Wetters wollte natürlich auch keiner drin bleiben.

Wir hatten Aussicht auf Stockholm von der Wasserseite:



Und natürlich auf die Inseln und Inselchen des Schärengartens.



Dazu gab es noch Erklärungen der netten Ausflugsbegleiterin, die markante Gebäude oder interessante Inseln vorstellte. Ich hab mir da nicht alles gemerkt, es ging ja vor allem ums gucken.

Drei Stunden waren wir unterwegs. Ich hab mir in der Zeit wieder eine köstliche Zimtschnecke gegönnt. Zurück in Stockholm haben wir dann noch mal die Touristinformation gesucht, weil wir hofften, ein paar Postkarten und Souvenirs ergattern zu können. Letzteres hätten wir vermutlich in der Altstadt versuchen sollen – die Touri-Info bot da leider nix. Da sind wir halt wieder nach Hause gefahren und waren ganz froh, mal noch ein bisschen Zeit herumbummeln zu können. Wir waren schließlich im Urlaub, da muss man nicht unbedingt die komplette Zeit mit Unternehmungen vollstopfen. ;)

Stimmung:
maritim
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4. Sep 2018

drei

Uppsala

Etwa 70 km nördlich von Stockholm befindet sich Uppsala, die alte Universitätsstadt. Passenderweise spukte mir den ganzen Ausflugstag der Schlager: „Ein Student aus Uppsala im Kopf" herum :p

Uppsala ist eine Universitätsstadt, eine Studentenstadt, das merkt man nicht zuletzt daran, dass überall in der Stadt die Fahrräder oberste Priorität haben und die Autos überflüssig erscheinen. Unpraktisch, wenn man mit Auto unterwegs ist und das irgendwie unterbekommen muss. Ich sag’s mal so, wir haben nicht die günstigste Variante gewählt… :p

In Uppsala gibt es eine Menge beeindruckender Gebäude. Das höchste davon ist sicherlich der Dom aus dem 13. Jahrhundert. Er ist Bischofskirche und Grablege einiger schwedischer Könige. Und von Carl von Linné, der liegt hier auch.



Der ist schon groß, der Dom. Groß und beeindruckend und innen durchaus prachtvoll, auch wenn es heute natürlich eine evangelische Kirche ist. Er trägt trotzdem noch den Namen des Heiligen Erik und ist immer noch als Pilgerstation mit dem Nidarosdom in Trondheim verbunden.

Wir haben uns den Dom von außen und von innen angeguckt. Dann nutzten wir die Möglichkeit der mobilen Infopoints der Stadt: Uppsala hat nämlich keine herkömmliche Touristinformation – die Leute sind mit Fahrrad und Anhänger unterwegs und bauen dann zu bestimmten Zeiten ihren mobilen Stadt auf. Wir haben den vor dem Dom erwischt, eine Stadtkarte eingesammelt und uns den Weg nach Gamla Uppsala erklären lassen. :)

Bevor wir noch irgendwohin fuhren, haben wir uns aber noch das Schloss von Uppsala angeschaut – eher Trutzburg und Festung, so oben auf ihrem Felsen.



So richtig schön passt es aber nicht auf ein Foto. Wir sind hinaufgestapft, was ziemlich anstrengend war. Wir sind auch einmal drumrumgelaufen, drinnen waren wir aber nicht.

In der Stadt unten haben wir dann noch Mittaggegessen (leckere Pasta), bevor wir uns auf den Weg nach Gamla Uppsala gemacht haben. Das ist – wie der Name schon sagt – das alte Uppsala. Hier stand die erste Kirche und die ersten Häuser – hier soll auch ein großer heidnischer Tempel gestanden haben. Als die christliche Kirche im 13. Jahrhunderts abbrannte, bat man den Papst, die Kirche in Richtung Hafen verlegen zu dürfen, das ist der heutige Dom geworden und auch die Stadt. Der Papst verlangte nämlich, dass mit der berühmten Kirche auch der berühmte Name umziehen sollte.

Heute erscheint Gamla Uppsala als gemütliche Vorstadt. Hat aber immer noch bedeutende Sehenswürdigkeiten zu bieten. Hügelgräber!



Und was für Hügelgräber! Drei große Hügelgräber, häufig als Königsgräber bezeichnet, auch wenn nicht wirklich geklärt ist, wer da drin lag. Der Legende nach sind es die Gräber von drei alten Schwedenkönigen des Geschlechtes der Ynglinger (Aun, Adils und Egil) – oder wenn man eine andere Legende bevorzugt, dann kann man auch eine Zuordnung zu Odin, Thor und Frey haben.



Archäologen bestimmten die Gräber auf eine Entstehungszeit von 475 – 550. Es gibt noch andere archäologische Strukturen im Umfeld, wir haben davon aber nur die Hügel beguckt, die sind eindrucksvoll und malerisch genug.

Gleich daneben steht auch noch die alte Kirche – die vor dem Dom von Uppsala der Dom von Uppsala war. Heute ist die nicht so groß, war aber trotzdem hübsch, zumal mit Orgelmusik.



Auch hier ist ein berühmter Wissenschaftler begraben: Anders Celsius, der allerdings einen Teppich auf seiner Grabplatte hat.

Alt-Uppsala ist ein sehr lohnendes Ziel und auch das heutige Uppsala. Das konnten wir uns auch gut als Stützpunkt für Ausflüge vorstellen, wenn man vielleicht nicht direkt in Stockholm wohnen mag. Als Studentenstadt macht Uppsala jedenfalls einen sehr jungen, lebendigen Eindruck.

Weil es noch nicht sooo spät war, haben wir uns auf dem Rückweg noch auf die Suche nach einem weiteren Schloss gemacht, das Schloss Skokloster.



Das ist gar nicht so weit weg von Stockholm und Uppsala, durch seine Lage am Ende einer Halbinsel des Mälarsees aber mit Fahrerei verbunden. Landschaftlich schöne Fahrerei immerhin durch Felder und Wälder und immer mal auch an Wasser vorbei.

Skokloster trägt seinen Namen, weil sich hier einstmals ein Zisterzienserkloster befunden hat. Heute sieht man nichts mehr davon. An der Stelle steht heute die Dorfkirche/Schlosskirche, die auch sehr hübsch ist.



Wir haben nett mit einer deutsch sprechenden Dame geplaudert, die uns auch was zum Runenstein vor der Kirche erzählt hat. Runensteine haben wir unterwegs schon gesehen. Diese Zeugnisse der Wikingerzeit stehen oft in der Nähe von Kirchen oder aber einfach so an der Straße im Wald. Es sind nicht nur Felsritzungen, die Ritzungen sind mit roter Farbe nachgezeichnet, dass man die Motive besser erkennt. Wir haben von der Dame gelernt, dass sich die Dorfbewohner um die Steine gekümmert haben, damit die Bilder lesbar bleiben – dass die Tradition heute aber mehr und mehr in Vergessenheit gerät und die Bilder verschwinden. Das ist natürlich schade – ich finde es aber auch staunenswert, dass diese Tradition über die Jahrhunderte durchgehalten wurde. Die Steine wurden zwischen dem 5. – 12. Jahrhundert errichtet – das sind viele Generationen von Bauern, die sich da gekümmert haben…

Das Schloss haben wir uns nur von außen angeschaut, für einen Besuch war es schon zu spät. Malerisch ist es auf jeden Fall (und sehr groß) und bestimmt besonders beeindruckend, wenn man von der Seeseite kommt.

Auf dem Rückweg nach Stockholm haben wir noch einen dieser Runensteine im Wald gesucht (der war etwas abenteuerlich ausgeschildert) und einen anderen direkt an der Straße besichtigt.



Steine! \o/

Stimmung:
unterwegs
Tags:

2. Sep 2018

drei

Skansen

Der Skansen ist das Freilichtmuseum von Stockholm. Es ist das erste Museum dieser Art und sollte in Zeiten wachsender Industriealisierung die Werte und Traditionen Schwedens zeigen. Das Museum wurde bereits 1891 gegründet von Artus Hazelius, der auch das Nordische Museum gründete. Beide Museen befinden sich auf der Insel Djurgården, diesmal sind wir mit dem Bus dahin gefahren.

Das Gelände ist riesig (300.000 m²), es beherbert ca. 150 Gebäude aus allen Landesteilen und ein Tiergehege mit nordischen Tieren. Außerdem soll es ein lebendiges Museum sein, das heißt, die Häuser werden belebt, es wird Handwerk, Volkskunst und eben das Leben der damaligen Zeit gezeigt. Finde ich immer super sowas. :) Es gibt auch nicht nur Bauernhäuser, sondern auch kleine Industriebetriebe aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts und auch Stadthäuser.



Wir haben mit der Ecke mit der Industrie angefangen, da gab es einen Glaskünstler, einen kleinen Metallbetrieb, einen Töpfer, einen Buchbinder und eine Druckerei und vieles mehr. Es waren aber nicht alle Werkstätten geöffnet.

Wir haben in eine Apotheke geguckt und bei einem Bäcker zugeschaut, wie die schwedischen Flachbrote gemacht wurden.



Weiter nach Norden führte uns der Weg in arktische Gegenden. Da gab es ein samisches Lager und gleich daneben auch Rentiere und Elche und im nordischen Zoo auch Bären.



Wir waren schon eine Weile unterwegs, inzwischen war Mittagszeit und uns knurrte der Magen. Die lange Schlange vor dem Gartenbistro war allerdings eher abschreckend. Wir haben dann gesehen, dass es im Gebäude daneben ein Buffet gab, mit Lachs und Hühnchen und Köttbullar, Salaten und Pfannkuchen. Da haben wir uns satt gegessen und saßen sicherlich auch ruhiger als draußen zwischend en Warteschlangen *g*

Frisch gestärkt sind wir dann weiter durch den Park gegangen, haben noch ein paar Bauernhöfe angeschaut, eine alte Mine, ein Herrenhaus und Kirchen und Glockentürme.





Alles sehr schön – um so mehr bei strahlendem Sommerwetter. Alles aber auch sehr weitläuig, so dass wir irgendwann fußlahm waren und nicht mehr in jede Ecke gegangen sind. Wir haben auch so viel gesehen und sind zufrieden wieder nach Hause gefahren. Wenn man in Stockholm ist, sollte man für einen Besuch im Skansen aber auf jeden Fall einen Tag einplanen :)

Stimmung:
historisch
Tags: ,

31. Aug 2018

kompass

Schwedische Schlösser: Drottningholm und Gripsholm

Wir wollten nicht zwei Stadttage nacheinander, also haben wir für den nächsten Tag eine Runde am Mälarsee geplant mit dem Schloss Drottningholm als erstem Anlaufpunkt. Das Schloss ist Wohnsitz des schwedischen Königs, wir haben den aber nicht gesehen. ;)

Erst mal waren wir überrascht, dass wir von Bromma aus nicht mal eine Viertelstunde gebraucht haben – also viel zu früh für Schlossbesichtigung waren. Wir sind daher erst mal noch ein bisschen über die Insel gekurvt, auf der das Schloss liegt. Das Wetter war eher herbstlich, aber im Auto war das ja nur halb so wild. Wir konnten schon feststellen, was für auch die weitere Gegend um den Mälarsee gilt: alles kultiviertes Land, alles flach mit viel Landwirtschaft und vielen Pferden. Das nahm sich immer sehr malerisch aus, die gelben, teils abgeernteten Felder und dazwischen die roten Häuser mit weißen Akzenten. Ländliches Skandinavien, nicht nordische Wildnis.

Das schwedische „Drottning“ heißt Königin. Die Ursprünge des Schlosses gehen auf Johann III. von Schweden zurück, der das Schloss für seine Königin Katharina im 16. Jahrhundert errichtete. Bedeutend waren noch zwei andere Königinnen: Hedwig Eleonore, die Witwe Karls X. und Lovisa Ulrika, die Gattin König Adolf Friedrichs, die beide für große Umgestaltungen sorgten. Das Schloss erscheint nun im Barockstil, mit Barockgarten. Besonders mit dem See davor ist es sehr malerisch:



Man kann im Schloss viele Räume ansehen – ich geb allerdings zu, dass ich ein bisschen die Orientierung verlieren, was nun in diesem Schloss war, was im vorherigen, was im nächsten…



Sehenswert wäre (bei besserem Wetter) sicherlich auch mehr vom Park mit dem chinesischen Schlösschen. Auch auf den Besuch des Schlosstheaters haben wir verzichtet, was sicherlich als historische und technische Besonderheit sehr sehenswert ist, wir hatten uns aber erst mal lange genug mit Geschichte, Kunst und Architektur beschäftigt, uns das also gespart.

Das Schloss war gut besucht, ganze Busladungen an Touristen wurden hier abgesetzt. Auch tierische Besucher gab es, Scharen von Gänsen, die die Grünflächen vor dem Schloss als Rast- und Futterplatz nutzten. Wir haben schon gesagt, ohne Gänse ist es kein richtiges königliches Schloss. ;)



Inzwischen regnete es etwas mehr und wir hatten Hunger, aber nicht so richtig einen Plan. Glücklicherweise fand sich an der nächsten Straße ein Gasthaus-Symbol, dem wir kurzerhand gefolgt sind. Wir sind an einem altmodischen kleinen Café rausgekommen, wo wir gut und günstig Mittag machen konnten. Ich hatte Gulaschsuppe, Susann klassisch Köttbullar mit Kartoffelpüree und Preiselbeeren. Wir lernten auch, dass es in Schweden eigentlich immer kostenlos Leitungswasser zum selber einschenken gibt und dass man sich beim Kaffee auch selber bedient.

Frisch gestärkt machten wir uns auf die weitere Reise. Wir hatten nur eine recht grobe Landkarte, aber Ljudmilla, mein treues Navi, kannte sich zum Glück gut aus. Mit der Karte hab ich mich nur immer mächtig mit den Distanzen verschätzt… nun ja. Nächstes Ziel, Schloss Gripsholm.



Ich weiß, dass es einen Roman gleichen Namens von Kurz Tucholsky gibt, den ich aber nicht gelesen habe. Eine Sommergeschichte. Bei uns sah es eher nass und nicht sehr sommerlich aus, so dass wir uns auch das Schloss Gripsholm noch von innen angeschaut haben. Wir dachten, es seien nur ein paar Zimmer… aber wow ist das Ding verwinkelt! Das ist eine Burg, wie man sie sich mittelalterlich so vorstellt. Vor allem beherbergt es heute die Staatliche Porträtsammlung mit über 2000 Gemälden.



Porträts über Porträts, Könige und Adlige, Gelehrte, geistliche. Die Beschriftungen waren nicht immer leicht zu lesen, was dem Ganzen einen Hauch von Detektivarbeit verlieh. Schön fand ich, dass sich auch Prominente aus der jüngeren Geschichte in der Galerie fanden, Künstler, Wissenschaftler, Wirtschaftsleute. Wir kannten davon zwar nicht viele, aber die modernen Porträts in den alten Hallen hatten schon auch was. :)

Außerdem gibt es auf Schloss Gripsholm ein Schlosstheater mit historischer Technik, so dass wir dem Schlosstheater von Drottningholm nicht nachweinen mussten. *g*



Die Zeit in dem verwinkelten Schloss verging wie im Fluge – wir wurden dann rausgekehrt, es war aber auch nur bis 16 Uhr geöffnet. Wir sind daraufhin noch im Schloss eingekehrt, zu heißer Schokolade und Karnelbullar. Das sind Zimtschnecken, sehr schwedisch und sehr lecker. Und sehr niedlich, als der Kellner mit schwedischem Akzent „Zimtschnecke“ sagte. *g*

Es war jetzt schon ziemlich spät am Nachmittag. Wir haben uns aber gegen den kürzesten Weg zurück entschieden (und auch gegen die ganz lange Runde um den See – wie gesagt, die Distanzen waren doppelt so lang wie gefühlt). Wir sind über Enköping und Sigtuna an der nördlichen Seite des Mälarsees zurück gefahren (ohne allerdings sehr viel vom See zu sehen). Angehalten haben wir nur noch mal kurz vor Stockholm, um einen Blick auf das Schloss Rosersberg zu werfen.



Das ist von außen hübsch, mehr haben wir allerdings auch nicht davon gesehen.

Stimmung:
kulturell gebüldet
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30. Aug 2018

kompass

Stockholm

Ich bin mit meinen England-Berichten gerade rechtzeitig fertig geworden, bevor es in den nächsten Urlaub ging: eine Woche Schweden mit Susann, Stockholm und das Umland. Wir sind von Berlin aus geflogen (Tegel ist immer noch so ramschig und chaotisch). Wir hatten einen Mietwagen gebucht und ein Quartier in Stockholm Bromma. Das ist ein westlicher Stadtbezirk, ein bisschen draußen aber mit U-Bahn angeschlossen. Außerdem befindet sich dort der Stadtflughafen Bromma, was ganz praktisch war, da wir uns an dem orientieren konnten. Unser Quartier war ein bisschen abenteuerlich, weil da alles über eine Key-App funktionierte und wir kein Personal gesehen haben. Hat aber funktioniert. Das Zimmer war auch sehr hübsch, nur dass ständig die Raucher durch die Nebentür marschierten damit herumquietschten, war ein bisschen lästig. Aber da kann ja das Hotel nichts für.

Wir hatten vorher keine großen Besichtigungspläne gemacht. Klar war natürlich, dass wir was von Stockholm sehen wollten, was ja eine sehr schöne Stadt sein soll. – Das ist es auch, das kann ich vorab schon mal verraten. Es ist auch eine entspannte Stadt, wenn man sich ein bisschen zurechtgefunden hat. Wie es das Klischee will, sprechen fast alle Schweden ausgezeichnet Englisch, so dass auch die Verständigung kein Problem war.

Am Ankunftstag haben wir nur noch was eingekauft und ein bisschen die nähere Umgebung beguckt. Am nächsten Tag haben wir uns dann in die Innenstadt begeben. Die U-Bahn heißt in Stockholm Tunnelbana – angesichts der verwirrenden Tarife haben wir uns einfach eine Tageskarte gekauft. An der Zentrumhaltestelle irrten wir dann auch erst mal ein bisschen verwirrt umher, sind dann aber einfach anderen Touristen nachgelaufen zum Wasser.



Stockholm liegt am Meer. Stockholm liegt auf vielen Inseln und Inselchen, das heißt auch mit vielen Brücken. Wir sind ein bisschen herumgeschlendert, über das Inselchen Riddarholm zur Altstadt Gamla Stan. Wir sind relativ schnell beim Königlichen Schloss gelandet:



Von außen ist der Barockbau ein monumentaler Klotz, den wir wenig einladend fanden. Man merkt, dass das Schloss als funktionaler Repräsentationsbau geschaffen wurde. Ein großer Würfel mit großem Innenhof. Kein Wunder, dass der König da nur sein Büro hat und lieber in gemütlicherem Rahmen wohnt, im Schloss Drottingholm.

Innen gibt es im Stockholmer Schloss viel zu sehen. Die Schlosskirche, die Schatzkammer mit den Kronen der Königsfamilie und die königlichen Apartments haben wir uns angeschaut, teils auf eigene Faust, teils mit Audioguide. Das war alles sehr spannend und sehr prächtig und wir haben einiges über die schwedische Geschichte gelernt.



Spannend, dass die Apartments im königlichen Schloss tatsächlich für die Übernachtung wichtiger Staatsgäste dienen. Da wurden für die Touristen nur die Teppiche beiseite gerollt, dass man das Bett für die Staatsgäste anschauen konnte. Wer von den Regierungsrepräsentanten nicht in einem gold- und stuckgeschmückten Tanzsaal nächtigen möchte, kann aber auch einen behaglicheren Nebenraum haben.



Wir haben uns ziemlich lange im Schloss aufgehalten – immer hübsch mit der Hintergrundmusik des Wachwechsels. Und hing jetzt aber erst mal der Magen in den Knien. Wir sind erst mal ein bisschen ziellos herumgeirrt, bis wir schließlich im Kungsträdgården in einer Art Gartenbistro leckeren Lachs bekommen haben. Danach waren wir auch wieder bereit für weitere Besichtigungen.

Wir sind mit dem Schiff – die Fähre gehört zum ÖPNV und war in unserem Tagesticket mit drin – nach Djurgården gefahren. Die Insel war früher königliches Jagdrevier. Sie ist auch heute noch sehr grün, waldig und parkartig. Sie beherbergt eine Reihe Museen und sonstige Attraktion, wie der Vergnügungspark Gröna Lund, dessen Kreischen immer weithin zu hören war.



Einen großen Teil der Insel nimmt das Freilichtmuseum Skansen ein, das wir uns für einen anderen Tag vorgenommen hatten. Erst mal sollte es die Vasa sein, deren Museum auch weithin sichtbar war.



Die Vasa ist ein Kriegsschiff aus dem 17. Jahrhundert. Sie sollte ein Prototyp sein, der die schwedische Kriegsflotte revolutionieren und den Hafen von Riga schützen sollte. Dummerweise ist das Schiff bei der Jungfernfahrt am 10. August 1628 nach nur 20 Minuten und 1300 Metern gesunken. Konstruktionsfehler. Ups.



Mehr als 300 Jahre lag das Schiff dann in der Bucht von Stockholm, bis es in den 60iger Jahren wiedergefunden und geborgen wurde. Gut 30 Jahre hat es gedauert, alles zu restaurieren und haltbar zu machen, jetzt kann man das Schiff wieder im Original bestaunen. Das ist wirklich groß. Das ist vor allem wirklich hoch, so dass man sich nicht wundert, dass es untergegangen ist. Das konnte nicht gutgehen. Mit mehr Ballast wäre es vielleicht stabiler, aber dann wär das Wasser halt zu den Kanonenluken reingelaufen.

Wir haben eine Führung erwischt, die schon mal die wesentlichen Dinge erzählte. Warum ging das Schiff unter, wie sah es aus, wie war das Leben an Bord gedacht? Da sollten tatsächlich mehr als 400 Leute drauf, allein schon 300 Soldaten, die für die Zeit der Hochseefahrt ihr deck hätten nicht verlassen dürfen. Zum Untergang waren keine Soldaten an Bord, es starben „nur“ um 30 - 50 Leute.

Nach der Führung haben wir uns auch selber noch umgeguckt. Das Museum führt einen auf 7 (!) Ebenen um das Schiff herum, das ist schon sehr beeindruckend. Abgesehen von den Dimensionen des Schiffes, haben mich vor allem die Schnitzereien beeindruckt, die ursprünglich knallbunt angemalt waren.



Äh, ja. Wir wurden dann mit der Schließzeit aus dem Museum rausgekehrt, waren auch völlig vollgestopft mit Eindrücke und Informationen. Wir sind nur noch mal Fähre gefahren, rüber nach Gamla Stan und dort ein bisschen durch die Gassen spaziert. Wir waren wieder ein bisschen orientierungs- und entscheidungslos, als es um die Essensfrage ging, haben dann aber einen ganz netten Burgerladen gefunden, wo ich Fish & Chips gegessen habe. Dann nur noch die Tunnelbana nach Hause und da waren wir dann platt nach dem 1. Tag.

Stimmung:
k.o.
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